Warum sollte die Freimaurerei (A.F.u.A.M.) reformiert werden? (Gegenwart)


Freimaurerei - Von der Gegenwart in die Zukunft

Der Großteil der freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter der Aufklärung. Im Folgenden dargestellt als die fünf Grundpfeiler der Freimaurerei: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Im 18 Jahrhundert mochte das ausreichend gewesen sein. Heute, im Zeitalter der Globalisierung, des technischen Fortschritts und der unbeherrschbaren Kapitalmärkte reichen diese Grundsätze lange nicht mehr. Der Schutz unserer Umwelt und der Natur muss zwangsläufig mit zu diesen Grundpfeilern zählen.

Das Ziel der Freimaurerei liegt darin, nach diesen Grundsätze im Alltag zu leben und auf Basis dieser Grundsätzen zu versuchen, den"Tempel der Humanität" (als Metapher für eine humane Gesellschaft)  zubauen. Dabei sollte eins klar sein, die Freimaurerei versteht sich nicht darin, Einfluss auf die Politik des jeweiligen Landes aus zu üben. Sie kann lediglich Denkansätze vorgeben. Dies ist allerdings gut möglich, da in den einzelnen Logen Menschen mit unterschiedlichster Herkunft,Bildung und politischer Prägung auf gleicher Augenhöhe aufeinander treffen und sich ohne dogmatische Ausrichtung auf die einzelnen Themen einlassen können. Die Logen sollten ein Ort des Wissens und des Austausches sein.

Auf der Webseite der Großloge A.F.u.A.M. steht :

"Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist mit ihren bald 10.000 Mitgliedern und 260 Logen die bedeutendste deutsche Großloge. Sie steht in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung"

Darauf möchte ich mich im Weiteren berufen!

Hinweis:



Die nachfolgenden Bemerkungen beziehen sich auf die Freimaurerei von A.F.u.A.M., die vom Prinzip her den rein humanitären, sich der Aufklärung und dem Humanismus verpflichteten Zweig der Freimaurerei darstellen soll !
Hierzu gehören für mich keine mystifizierenden oder religiösen Symbole oder gar bestimmten Religionen zuzuordnenden Handlungen.

Bei der Aufnahme in den Bund wird man gefragt, ob man an eine höhere, schöpferische Kraft glaubt.
Selbst wenn man diese Frage eindeutig mit "ja" beantworten kann, heißt es lange noch nicht, daß man damit (oder mit religiösen Symbolen) immer wieder konfrontiert werden möchte. Dies hat nur etwas im privaten Bereich eines jeden Einzelnen zu suchen.

Der Begriff "Tempel" (von lateinisch templum) ist die deutsche Bezeichnung von Gebäuden, die Religionen als Heiligtum dienten. Der Begriff wird fälschlicher Weise oft genau so gedeutet. Gemeint ist allerdings die ursprüngliche Bedeutung in der lediglich ein temporär vom Bereich des Profanen abgegrenzter Bezirk bezeichnet wird. So sollte er auch im Folgenden interpretiert werden, wenn man nicht ganz auf diesen Begriff verzichten möchte - was ich besser finden würde. Gemeint ist ursprünglich sicherlich die Bauhütte da dies der gedeckte Raum war, in dem sich die Steinmetzbruderschaft getroffen hatte.



Da sich diese Webseite hauptsächlich an Freimaurer richtet, wird im Weiteren nicht auf eine Erklärung der Symbole und Handlungen eingegangen. Jeder Freimaurer sollte diese allerdings verstehen.

Zu den einzelnen Arbeiten:



Die Aufgabe des Freimaurers:
"Arbeit an dem Rauhen Stein um den Tempel der Humanität zu bauen."

Hiermit ist das Ziel klar definiert: Bauen einer Gesellschaft nach humanitären und in A.F.u.A.M zusätzlich  humanistischen Vorbild und immer im Sinne der Aufklärung.

Der "Rauhe Stein" als Metapher für das eigene Handeln und das eigene Bewusstsein ist lediglich der Weg dort hin.

Entgegen vieler unterschiedlichster Deutungen für die einzelnen Stufen des symbolischen Steins sehe ich folgende als sinnvoll für A.F.u.A.M. an:

Der Lehrlingsgrad



Im Lehrlingsgrad liegt dafür als Symbol ein "Unbehauener Stein" oft auch als "Rauher Stein" bezeichnet, der kaum für den Bau eines Gebäudes geeignet ist. Um diesen "Stein" zu formen, bekommt der Lehrling symbolisch einen Spitzhammer. Der Lehrspruch „Schau in Dich“ weist den Lehrling an, die Weisheit und Kraft in sich selbst zu ergründen. - Das passt!

Der Gesellengrad



Nach der Arbeit im Lehrlingsgrad hat sich der "Stein" geformt und ist hoffentlich zu einem "Behauenen Stein" (allgemeiner freimaurerischer Sprachgebrauch) geworden, den man nun im Gesellengrad wieder findet. Da dieser Stein auch noch nicht für ein möglichst perfektes Gebäude zu nutzen ist, bekommt der Geselle symbolisch eine Kelle für seinen weiteren Weg in die Hand. Damit kann er die Unebenheiten des Steins mit "Mörtel" ausgleichen und versuchen, ihn irgendwie in das symbolische Gebäude einzufügen.
Der "Mörtel" dient hier als Metapher für Menschenliebe. Diese ist notwendig um die noch vorhandenen Kanten des Steins mit genau dieser Kraft und der damit verbundenen Toleranz auszugleichen.

In der offiziellen Beschreibung dieser Arbeit finden wir allerdings einen "Kubischen Stein", der von seiner Definition her absolut plan und exakt würfelförmig ist. Wozu braucht der Geselle dann seine Kelle? Und ist Gleichförmigkeit wirklich gewünscht? Auch lässt sich mit nur "Kubischen Steinen" kaum ein Gebäude errichten.
Dies scheint mir auch der Grund, warum im allgemeinen Sprachgebrauch von der offiziellen Beschreibung abgewichen wird.Die von den "Mystikern" in der Freimaurerei dargestellten Interpretationen zum "Kubischen Stein" versteht kaum ein Bruder. Der Lehrspruch „Schau um Dich“ macht den Gesellen darauf Aufmerksam, dass er die Welt um sich herum genau beobachten soll.

Der Meistergrad



Nun kommt es m.E. zu einem wirklich eklatanten symbolischen Bruch.

Im Meistergrad findet sich kein Stein mehr. - Wo ist das Ergebnis der Arbeit des Gesellen, der ja auch die Aufgabe hatte, seinen "Stein" weiter zu bearbeiten?

Gerade die Meisterarbeit führt uns die Unstimmigkeit zwischen Anspruch und Realität vor Augen.
Sie ist geradezu eine Aufforderung, sich den sogenannten "Hochgraden" zuzuwenden um endlich die Auflösung zu finden, anstatt sich der eigentlichen Aufgabe des Freimaurermeisters zu widmen.

Die besteht darin, an das "Reißbrett" zu gehen, den "Zirkel" in die Hand zu nehmen und zu versuchen, mit den Werkzeugen des Architekten (auf die leider nur in einem Nebensatz in der TA3 eingegangen wird) gemeinsam mit den Brüdern den "Tempel der Humanität" zu konstruieren, mit allen Fehlern und Irrtümern, die dabei auftreten.

Dafür muss man sich eingehend mit dem "Tempel der Humanität" (der Gesellschaft) auseinander setzen und den Weg des ichbezogenen "Eigenen Steins" verlassen. Wenn der Meister allerdings merkt, dass die "Steine" noch nicht passen, begibt er sich temporär zurück in die Sichtweise des Lehrlings- oder Gesellengrades. Was sehr schön durch die Sitzordnung dargestellt wird. Die oft gehörte Behauptung, ein Freimaurer wird ewig Lehrling sein, ist definitiv falsch. Ein Freimaurermeister, der seine Aufgaben klar erkannt hat, kann nicht mehr Lehrling sein - Er sollte sich auf Basis seiner als Meister erworbenen Erkenntnisse und Sichtweise für das Ganze weiter entwickeln. Lernen muss er somit ein Leben lang.

Auch dieser eine Satz aus dem Ritual:

.......So nimm dieses Wort mit auf den Weg: nicht "werde und stirb", sondern "stirb und werde".....

führt gänzlich in die falsche Richtung, er ist sogar vollkommen gegen unsere erklärten Ziele (Dem Bau des Tempels der Humanität) gerichtet. Es wird suggestiert, dass nicht das Leben zwischen "werde und stirb" wichtig ist, sondern dass was angeblich nach dem Leben kommt "stirb und werde". Hierfür gibt es noch genügend weitere Textbeispiele im Meisterritual. Ich werte das als Heilsversprechen - Was dann einer Religion gleich kommt.

Die jetzige Meisterarbeit hat vom Inhalt her auch wirklich nichts mit dem symbolischen Bau zu tun und sollte gegen eine passende Arbeit ausgetauscht werden.

Es geht heute nicht mehr um das verlorene Meisterwort sondern um den verlorenen freimaurerischen Plan!

Die Trauerarbeit



Im Todesfall eines Freimaurers findet sich ein "Zerbrochener Stein" in der Trauerarbeit - Ein passendes Symbol, wenn man die Unvergänglichkeit der Seele ausser Acht lässt.

Alle 3 Grade



Der AASR ("Hochgrad") schreibt auf seiner Webseite:

  • "Der letzte Grad, der Meistergrad, sollte von seinen Inhalten her, den Bruder Meister befähigen, alle die Aufgaben, die ein Freimaurermeister wahrzunehmen hat, zu erfüllen."

    Anmerkung: Das ist genau die Forderung, die ich auch stelle, die aber leider mit dem jetzigen Grad nicht erfüllt wird, wie auch der weitere Teil der Ausführung des AASR verdeutlicht:

  • "Jeden Bruder, der die Initiation in den Meistergrad erlebt hat und danach Zeit gehabt hat, darüber zu reflektieren, befällt das Empfinden einer gewissen Unfertigkeit oder Unvollständigkeit seines im Meistergrad erhaltenen Wissens."

    Anmerkung: Das ist m.E. auch eines der großen Probleme des jetzigen Meistergrades. Da er sich faktisch gar nicht mit den Aufgaben eines Meisters beschäftigt, werden manche Brüdern nahezu genötigt sich den "Hochgraden" anzuschließen um da eine mögliche Lösung zu finden. Ich denke, so verlieren Sie das eigentliche Ziel aus den Augen.

    (Beispiel siehe hier)

Der jetzige Aufbau der 3 Grade wird mit der "Wanderung" durch das Leben (Geburt, Leben, Tod) versucht zu erklären. Wenn man sich aber den Inhalt der ersten beiden Grade genauer betrachtet, ist da sicher kein schlüssiger Zusammenhang zwischen Geburt und Leben herzustellen.
Eine viel bessere, weil schlüssigere und emotionalere Auseinandersetzung mit dem Tod finden wir in der Trauerarbeit. Wir brauchen die TA3 in der jetzigen Form nicht!

Wenn wir wollen, dass die Freimaurerei ihrem eigentlichen Ziel (Dem Bau des "Tempels der Humanität") gerecht werden will, müssen wir aus dem Schlaf der Mystifizierung aufwachen.

Der "Tempel der Humanität" gehört in das Zentrum unserer Arbeiten.

Wir müssen in unserem Bund täglich an diesem Ziel arbeiten, wir müssen unsmit dem "Tempel der Humanität" als Metapher für eine humane Gesellschaft beschäftigen und wir sollten mit unseren Meinungen in die Öffentlichkeit gehen.

Nach meinen Untersuchungen (Auswertung von15 zur Verfügung stehender Arbeitspläne für 2008/2009 der Themenbereiche TA’s, Verein, FM, Kultur, Sonstiges, Gesellschaft) macht dieses Thema (Gesellschaft) höchstens 8% unserer Arbeit aus.

In manchen Logen gibt es gar keine Beschäftigung mit diesem Thema. 

Im ähnlichen Sinn, unser Projekt Freimaurer-Ruhr-2010. Diese einmalige und nicht gerade kostengünstige Chance - Wen hat das erreicht? Was haben wir damit bewirkt?
Die meisten Freimaurer, die ich nach dem 10.-EUR Buch zum Projekt gefragt habe, haben es nicht gekauft. (Die Logen stellen sich mit ihrer Geschichte vor, wen interessiert das? - War die Antwort).
Mag sein, daß ich nicht auf die wirklich Interessierten getroffen bin, oder meine Einschätzung falsch ist und die Beteiligten am Projekt sind mit Recht stolz auf das Erreichte.

Freimaurer sind auch global organisiert, wir werden die Welt nicht ändern können,aber wir können versuchen, aufzuklären. Nur wenn wir die immer komplexer werdenden, global verknüpften  und gesellschaftssteuernden Wirtschaftssysteme verstehen, können wir versuchen, neue Wege zuergründen. Dies wird sicher nicht ohne politische Diskussionen gehen,aber es muss ohne Parteipolitik zu machen, möglich sein.

Symbole, Rituale und selbst der eigene "Rauhe Stein" sind lediglich Werkzeuge auf dem Weg dort hin, dies sollten wir nie vergessen!

Alle Grade haben eins gemeinsam, sie beziehen sich manchmal aufreligiöse Begriffe und benutzen ein "Heiliges Buch", was m.E. nichts mit einer rein humanitären, sich der Aufklärung und dem Humanismus verpflichteten Freimaurerei zu tun hat. Abfrage der Religions- undParteizugehörigkeit ist mit Recht kein Thema in diesem Zweig derFreimaurerei. Dies sollte dem Einzelnen überlassen sein und ist sein persönliches Glück.

Auch wenn man ein "Heiliges Buch" als Symbol für das ordnende Prinzip benutzt (In einer Loge in Indien liegen gleich 5 aus), welches gilt dann eigentlich? Auch dies macht die Maurerei so wässrig und beliebig. Hier sollten wir uns  auf einen gemeinsamen Nenner einigen wie z.B. den Menschenrechten der Vereinigten Nationen und wer denen nicht zustimmen kann, kann eben kein Freimaurer sein - und dies ohne religiöse und politische Vorurteile. Die Bibel und auch andere "Heilige Schriften" bieten zu viel Raum für Deutungen im eigenen Sinn.

Oft hört man in der Freimaurerei folgende Sätze, was sicher auch auf die bisherige undeutliche Lehre zurückzuführen ist:

  • Das Ziel der Freimaurerei ist die Arbeit an dem "Rauhen Stein".
  • Arbeite nicht an meinem "Rauhen Stein".
  • Jeder kann die Freimaurerei so sehen, wie er will.
  • Jeder kann die Symbole in seinem Sinn deuten.
  • Jeder kann in der Freimaurerei sein Ziel selbst bestimmen.
  • "Die Freimaurerei" gibt es nicht!
  • Jeder kann in der Freimaurerei den Weg zum Ziel selbst bestimmen (Hochgrade).
  • Die Freimaurerei darf sich nicht festlegen.
    (Mit der Begründung, daß ja jeder Freimaurer seine eigen Weltanschauung hat)
  • Es "menschelt" überall.
  • Ganz schlimm und trotzdem oft gehört - Die Freimaurerei wäre so schön, wenn die Brüder nicht wären.

Ist dies alles wirklich mit dem freimaurerischen Sinn für Toleranz zu erklären?
Hier zeigt sich doch eher, dass unser Lehrgebäude in Teilen versagt hat. Viele Brüder kommen einfach nicht aus ihrer EGO-Zentrierung heraus. Oft zeigt sich das auch in einem besonders ausgeprägtem Streben nach Ämtern und "Würden" - man beachte hierbei auch die in der Freimaurerei üblichen Ansprachen für "hohe" freimaurerische Amtsinhaber auf die ich hier in der Öffentlichkeit nicht näher eingehen möchte, da oft einfach nur peinlich und im krassen Widerspruch zu unserem Gleichheitsprinzip auf gleicher Augenhöhe!

Ich bin dafür, daß wir in AFAM die Rituale von allen nicht klar zuerkennenden und oft auch mehrfach zu deutenden "Sinngehalten" befreien und uns auf den Aufbau einer "humanen Gesellschaft" besinnen. Hierzu gehört es, daß wir uns tief mit unser Gesellschaft beschäftigen, über mögliche Probleme philosophieren und nach Lösungsansätzen für deren Bewältigungsuchen.

Wenn wir eine dauerhaft humane Gesellschaft erreichen wollen, müssen wir sehr wachsam sein, müssen lernen, die richtigen Schlüsse aus demÜberangebot von Information und Fehlinformation im Internet und denMedien zu ziehen. Ich glaube, das gelingt nicht allein sondern nur ineiner Gruppe, und zwar in einer Gruppe von Menschen in der man derMeinung des Anderen vertrauen kann.

 


Thesen zur Reform der Freimaurerei (Seite: 2 von 3)

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