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Gedanken zur repräsentativen Demokratie in unserem Land und der Freimaurerei


(Beitrag vom 08.10.2013 korrigiert am 22.06.2017)

Verdient unser parlamentarisches System die Bezeichnung Demokratie?
(Vortrag vom 30.09.2013)

Zuerst einmal zum Begriff „Demokratie“
.
 
Bekanntermaßen ist die erste bedeutende Demokratiebewegung in der Antike zu finden. Zu den ersten Staaten, die eine Art Demokratie eingeführt hatten, gehörten die griechischen Stadtstaaten sowie das Römische Reich. Auch der Begriff „Demokratie“ hat einen altgriechischen Ursprung und bedeutet in seiner Ursprünglichkeit „Volksherrschaft“.


Auch die Aufklärung des späten 17. Jahrhunderts war für die abendländische Kultur ein Meilenstein in der Entwicklung der Demokratien. Die Aufklärung sorgte dafür, dass nicht nur Wissenschaft, Religion und Bildung vollkommen neue Wege gingen sondern auch die bisherigen Gesellschafts- und Staatssysteme näher unter die Lupe genommen wurden. Die Herrschaft der Kirchen, Könige und Kaiser, die sich selbst auf ihren Platz in der Gesellschaft auf Gottes Gnaden beriefen, wurden in Frage gestellt. Diesen wahrhaft revolutionären Charakter der Bewegung dieser Zeit sollten wir immer im Hinterkopf behalten, wenn wir uns darauf berufen, dass die Freimaurerei (wie ich finde mit Recht) eine der Initiatoren der Aufklärung war.

Der Leitsatz dieser Zeit war sicherlich Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit den wir auch in unserem Bund zumindest in seiner verbalen Ausprägung noch finden können.

Die philosophischen und sozialen Komponenten der antiken Demokratien wurden als Grundlage für neue Überlegungen genutzt. Herrschaften sollte es nicht mehr geben – Der freie Bürger entschied ähnlich wie auf den griechischen und römischen Markt- und Versammlungsplätzen selbst über sein Schicksal. So das Ideal.



Zur Geschichte der Demokratie in unserem Land.


In unserem Land wurde in der Weimarer Republik das erste Mal das Experiment „Demokratie“ versucht. Wie die Geschichte zeigt - Mit verheerendem Ausgang.

1918 wurde u.A. durch General Erich Ludendorf, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Reichskanzler Graf von Herting, Admiral Paul von Hintze sowie dem Kaiser Wilhelm II beschlossen, die Parlamente einzurichten. Man wollte verhindern, dass eine „Revolution von Unten“ wie in Russland geschehen, stattfindet. Die hätte man nicht mehr kontrollieren können.

Das neu gebildete Parlament der Reichstag versäumte es allerdings, sich selbst zum Zentrum der Diskussion um die werdende Demokratie zu machen. So kam es, dass nach der Matrosenrevolte im Oktober 1918 sowie dem großen Generalstreik im darauffolgenden November der Reichkanzler Ebert die „Deutsche Republik“ sowie Karl Liebknecht ein paar Stunden später die "freie sozialistische Republik Deutschland" ausriefen. Am 19. Januar 1919 wurde die erste verfassunggebende Nationalversammlung auf deutschem Boden gewählt die dann über die Nationalversammlung am 31.Juli 1919 die Weimarer Verfassung beschloss. Diese Verfassung machte den eigentlichen Start in eine Demokratisierung unseres Landes aus.

Die Volkssouveränität war das zentrale Verfassungsprinzip. Gewaltenteilung und die Grundrechte, auch die staatsbürgerliche und familienrechtliche Gleichstellung der Frauen wurden erstmals in dieser Verfassung garantiert. Es entstand eine repräsentative Demokratie mit einer dem Parlament verantwortlichen Regierung und einem starken, direkt gewählten Präsidenten ähnlich wie in Frankreich und den USA.

Was heute schon fast vergessen ist, die Weimarer Verfassung enthielt bereits starke, heute sehr vemisste plebiszitäre Elemente wie  Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild. Garant für eine friedliche Entwicklung innerhalb des Landes sollte der nach der Bismarckschen Sozialgesetzgebung ausgebaute Sozialstaat sein.

Die Mischung aus repräsentativen, plebiszitären und autoritären Verfassungselementen ergab jedoch kein harmonisches Ganzes, was sich dann spätestens 1932 durch Franz von Papen mit der absoluten Stärkung der präsidentiellen Macht und einhergehender Entmachtung des Parlamentes den Untergang der Weimarer Republik einläutete und den Nazis den Platz frei machte.

Nach dem Krieg wurde wieder eine Demokratie in Deutschland etabliert – auch nicht durch das Volk, sondern durch die Besatzungsmächte. Die wesentlichen Schwächen der Weimarer Republik wurden zwar ausgemerzt, aber das Volk durfte bis heute nicht mitbestimmen, wie ihre Demokratie aussehen sollte. Im Gegensatz zur Weimarer Republik hat der Bundespräsident keine entscheidende Macht mehr. Heute jedoch zeigt sich, dass die Kanzler der Republik oft ähnliche Machtansprüche wie die damaligen Präsidenten ausüben indem sie die Parlamente z.B. durch Vertrauensfragen erpressen und auf Kurs bringen können. Die oft praktizierte Parteiräson tut ihr Übriges.

Für mich besteht eindeutig ein Konflikt zwischen dem freien, nur dem Gewissen unterworfenen Mandat des Abgeordneten und der Fraktionsdisziplin, die die Abgeordneten zwingen will, den Parteibeschlüssen auch bei gegenteiliger Meinung zuzustimmen. Oft wird das Abgeordnetengewissen dem Personen- und Parteiklüngel geopfert – was der Bürger auch merkt.

 

Plebiszitäre Elemente wie Volksabstimmungen werden den Bürgern nicht mehr zugestanden.

Eine der wesentlichen Neuerungen ist allerdings die Einsetzung des Bundesverfassungsgerichts das im Wesentlichen die Aufgabe hat, die Einhaltung der Artikel des Grundgesetzes durch die Parlamente zu garantieren. In den letzten Jahren wurde es immer mehr eingeschaltet, was m.E.auch zeigt, dass die agierenden Kräfte die Gesetze bis zu den Grenzen und wie die vielen Urteile dieses Gerichts zeigen, auch darüber hinaus auslegen wollen.






Analyse zur heutigen Demokratie unseres Landes

Sehr interessant scheint es mir zu sein einmal zu betrachten, welche Kräfte in den 20’er und 30’er Jahren gewirkt haben, um das Parlament sukzessive zu entmachten um dann letztendlich diesem braunen Sumpf das Feld zu überlassen. Ihnen überhaupt ermöglicht zu haben, in das Parlament einzuziehen. Ich denke neben den enormen Reparationszahlungen aus dem 1. Weltkrieg und der damit einhergehenden Massenarbeitslosigkeit, waren es die gleichen Kräfte die auch heute, teilweise allerdings aus anderen Lagern, noch wirken. Dies sind im Wesentlichen die Macht der Lobbyisten die oft und verstärkt in neuester Zeit in wesentlichen Punkten die Entscheidungsprozesse in den Parlamenten steuern ja sogar eigenständige Gesetzesvorlagen nach ihrem Vorteil in Ausschüssen erarbeiten um sie dann dem Parlament zur Abstimmung vorzulegen. So wandelt sich eine Demokratie schleichend zu einer Lobbykratie.

Gute Beispiele dafür waren die verschiedenen Beschlüsse zur Bankenrettung, die in wenigen Tagen (oft über das Wochenende) in geheimen, geschlossenen Zirkeln meist bestückt mit den eigentlichen Verursachern dieser Krise (z.B. Josef Ackermann) erarbeitet und dann als mehrere 100 Seiten starke Pamphlete den Abgeordneten als alternativlose Entscheidungsmöglichkeit kurz vor den Abstimmungen vorgelegt wurden.

Passend hierzu auch der Satz von Rudolf Augstein - Gründer des Nachrichtenmagazins Der Spiegel:

„Es kommt nicht so sehr darauf an, dass die Demokratie nach ihrer ursprünglichen Idee funktioniert, sondern, dass sie von der Bevölkerung als funktionierend empfunden wird.“


Eines der wesentlichen Probleme für unsere Demokratie scheint mir die Tatsache zu sein, dass die Demokratie (auch die der Weimarer Republik) in unserem Land nie vom Volk aus ging sondern irgendwie immer von Oben diktiert wurde. Da ist es auch kein Wunder, dass unser Volk mit Demokratie kaum umgehen kann denn eine Demokratie kann nur leben, wenn sie vom Herzen her begriffen, vom Volk gewollt und gelebt wird. Wir durften nie darüber entscheiden.

Nehmen wir nur einmal als Beispiel hierzu die Möglichkeiten des Grundgesetzes für die Wiedervereinigung.

Das Grundgesetz ließ zwei Wege zur Wiedervereinigung zu:

1. über eine neue Verfassung, die sich das deutsche Volk in freier Entscheidung gibt und die nach Artikel 146 das Grundgesetz außer Kraft gesetzt hätte.

2. Oder über den Weg des damaligen Artikels 23 des Grundgesetzes, das die Möglichkeit eröffnete, das Grundgesetz in anderen Teilen Deutschlands nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.

Nach Angabe der Regierung von 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, wurde der Weg nach Artikel 23 genutzt um den Beitritt und die Einheit schneller ermöglichen zu können. Mag sein, dass das kurze Zeitfenster keine andere Möglichkeit zugelassen hat, aber warum gab man dem Deutsche Volk nicht in den 20 Jahren nach Wiedervereinigung noch einmal die Möglichkeit, nach dem ehemaligen Artikel 146 eine neue Verfassung per Volksentscheid zu beschließen?

Selbst, wenn das Grundgesetz 1 zu 1 als Verfassung festgelegt würde was ich vermute, hätte diese Möglichkeit sicher dem Gefühl für Demokratie gut getan.

Ich vermute eher, dass das kurze Zeitfenster nur eine Ausrede war denn wie erklärt sich sonst, dass dem Deutsche Volk ohne Zeitdruck nie die Möglichkeit, wie in anderen Europäischen Ländern, zugebilligt wurde über die in 2004 geplante Europäische Verfassung abzustimmen?

Durch die gescheiterten Referenden in den Niederlanden und in Frankreich wurde diese Verfassung nicht ratifiziert was dann dazu führte, dass man unter klarer Ablehnung von Volksabstimmungen in diesen beiden ablehnenden Ländern einfach 2009 den Vertrag von Lissabon, der wesentlichen Elemente des abgelehnten EU-Verfassungsvertrags  enthält, beschloss. Irland war das einzige Land, welches seine Bürger über den Vertrag von Lissabon, der aus gutem Grund nicht Verfassung heißen darf, abstimmen lies. Das ablehnende Referendum von 2008 wurde kurzum 2009 wiederholt und kam dann durch.

Ich habe langsam den Eindruck, dass unsere Demokratie zu einer Phrase verkommt und wir uns nicht mehr wundern dürfen, dass eine der größten Volksparteien die der Nichtwähler ist.

Auch ein gutes Beispiel zu „gelebter“ Demokratie habe ich mit meiner Mutter (83 Jahre alt) kurz vor der Bundestagswahl 2013 erlebt. Das Beispiel ist nicht nur dieser alten Damen zuzurechnen sondern systematisch für einen großen Teil der Wähler.

Während wir klärten, ob sie Briefwahl machen wollte, erzählte sie mir, dass sie die CDU wählen möchte und was ich davon hielt. Ich fragte sie, „Warum möchtest du die CDU wählen“? „Die haben wir doch immer gewählt“ war die klare Antwort.

Daraufhin nahm ich mein Smartphone und ging mit ihr die 38 Fragen des Wahl-O-Mats durch.
Verglichen wurden die Wahlprogramme der 7 gängigsten Parteien.

Ergebnis nach Übereinstimmung:

  1. Piraten
  2. Die Linke
  3. Grüne
  4. SPD
  5. AfD
  6. FDP
  7. CDU
Sie war entsetzt und konnte das gar nicht glauben den die von ihr favorisierte Partei landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Dies zeigt jedoch, dass bei einem einfachen Vergleich der Wahlprogramme dieser Parteien gegen die eigene Wunschvorstellung offensichtlich ein ganz anderes Ergebnis herauskommt als man annehmen möchte. Es zeigt zusätzlich als für mich sehr wichtiges Ergebnis, dass wir unsere Demokratie kaum mehr leben

Natürlich muss ich nun zustimmen, dass sich gerade die etablierten Parteien kaum mehr voneinander unterscheiden. Die CDU ist eindeutig nach links gerutscht und hat die Themen der SPD, der Grünen und sogar der Linken für sich beansprucht. Ob sie nach der Wahl auch noch dazu stehen ist sicher Fraglich. Denn die Parteien dürfen vor der Wahl alles versprechen – auch Sachen, die bekanntermaßen nicht zu halten sind. Nach der Wahl brauchen sie sich nicht daran zu halten. Der ehemalige Vizekanzler Müntefering hat sich sogar verbeten, sich an seinen Wahlaussagen messen zu lassen. Als Begründung werden die Kompromisse bei den Koalitionsverhandlungen herangezogen, die es bekanntlich immer gibt da kaum mehr eine Partei allein mehrheitsfähig ist.

Warum aber beispielsweise bei der Erhöhung der MWSt. der Kompromiss aus 0% und 2% ganze 3% beträgt, ist nicht erklärbar. Und wer von den SPD-Wählern und sicher auch der SPD-Mitglieder hätte jemals gedacht, dass gerade die Sozialdemokraten verantwortlich für den größten Sozialabbau der Geschichte der BRD in Form der Agenda 2010 und den Hartz4-Gesetzen sein werden. Viele dieser Menschen haben das 10 Jahre danach noch nicht vergessen und nicht verziehen. Und dem Kanzlerkandidaten der SPD wurde sicher auch nicht abgenommen, dass er jetzt Schritte rückwärts machen würde.

Bis nach der Regierung Schröder, waren die Regierungswechsel meist programmatisch begründet. Dies änderte sich schlagartig nach der Bundestagswahl 2005. Das alte Modell des politischen Umgruppierens entlang den drängenden Fragen der Zeit, spielte kaum mehr eine Rolle. Für Schwarz-Gelb, dem Wunschpartner der CDU reichte es nicht, für Rot-Grün schon gar nicht. Es kam die Große Koalition – und nicht, was möglich gewesen wäre, Schwarz-Gelb-Grün denn das wollte man nicht, was mich natürlich direkt an unser heutiges Dilemma erinnert Rot-Rot-Grün „Geht“ auch nicht aus Sicht der Grünen und der SPD. Hier zeigt sich für mich ganz klar die Entwicklung zu einem Parteienoligarchat in dem nur noch die Interessen der Parteien und ihrer ihnen angeschlossenen Lobbyverbände zählen.

Für mich ist das Ergebnis der jüngsten Wahl wirklich rätselhaft. Es reichte fast zur absoluten Mehrheit der Mandate für die Partei von Angela Merkel. Es kann nun sein, dass das Volk sich unbedingt von ihrer „Mutti“ regieren lassen will obwohl sie nicht wirklich gesagt hat, wohin die Reise geht, denn an dem Programm der CDU kann es nicht gelegen haben. Außer dem extremen Sparkurs, der den unter Nothilfe stehenden EU-Ländern aufgezwungen wird, ist für mich kaum ein EU-Profil der Kanzlerin und ihrer Partei zu erkennen. Selbst was in Deutschland in Zukunft anders werden soll, ist diesem Programm beileibe nicht abzusehen. Alle noch in 2008 wortgewaltig geäußerten Erklärungen, dass man die Banken in ihrer Schranken weisen möchte – Einfach verpufft.

Die abzusehende Altersarmut – ist kein Thema es wird polemisiert, die Generationen gegeneinander ausgespielt – es gibt keine Visionen für die Zukunft. Dabei ist es für mich dann auch keine Frage mehr, warum wir ein alterndes Volk ohne Nachwuchs sind.

Ohne Zukunftsperspektiven gibt es auch keine Kinder – Das sollte doch eigentlich jedem klar sein!

Nun zur FDP, sie nennen sich liberal oder liberitär. Nur wem gegenüber sind sie eigentlich liberal was ja nun heißt, die größtmöglichen Freiheiten einzuräumen. Sind sie Marktliberal (was ich der FDP der letzten Jahre attribuieren möchte) gönnen sie den Märkten maximale Rechte was aber im Umkehrschluss bedeute, dass die Rechte der Menschen denen der Märkte untergeordnet werden. Meiner Meinung nach, sind Menschen nicht für Märkte da sondern die Märkte haben sich den Wünschen der Menschen unterzuordnen. Liberal ohne klar zu definieren wem gegenüber man liberal ist geht m.E. nicht - denn Partei sein heißt auch Partei ergreifen. Es erinnert mich auch an unsere bedingungslose Forderung nach Toleranz.

Ich musste hier ein paar Parteien aufgreifen sehr wohl wissend, dass es in unserem Bund mit Recht opportun ist, Parteipolitik nicht zu dulden. Ich hoffe, es ist mir gelungen, mich nicht einem bestimmten parteipolitischem Lager zuzuordnen – wenn sich bezüglich meiner Äußerungen trotzdem jemand parteipolitisch angegriffen fühlt, möchte ich mich hiermit direkt entschuldigen.

Man kann in unserem Land über jeden Politiker schimpfen, jede Partei in Frage stellen, aber die Demokratie – das geht nicht.

So wurde es uns und erst Recht unseren Eltern eingebläut. Man geht wählen, auch wenn man das dumpfe Gefühl hat, dass man gar nichts wählen kann und selbst wenn man gewählt hat, hat man seine Stimme abgegeben für 4 bzw. 5 Jahre. Danach läuft das alte Programm der machthungrigen Politiker und Lobbyverbände. Die Politiker,ja es gibt sie noch wahrscheinlich in allen Parteien, die es wirklich mit unserem Staat ernst meinen, die sich als Volksvertreter sehen, sind dabei sicher in der Minderheit oder haben sich dem Parteidiktat unter zu ordnen – sonst landen sie eben nicht mehr auf den begehrten oberen Listenplätzen.

Für mich gibt es eigentlich nur eine praktikable Lösung:
Volksabstimmungen wie in England, der Schweiz oder in Dänemark sind dringend zu fordern, um eine lebendigere Demokratie zu erhalten. Die plebiszitären Elemente in den meisten Bundesländern müssen ebenfalls dringend verbessert werden. Trotzdem können von Glück reden, dass wir in diesem, mit allen Macken behaftetem System geboren wurden. Im Vergleich zu anderen Ländern auf dieser Welt sicher noch ein echter Glücksfall. Die Abstrafung der FDP, der Grünen und auch der SPD der Fast-Einzug der Europagegner und auch die Schwierigkeiten der Regierungsbildung können Zeichen setzten und ein Umdenken bewirken. Es kann als Chance begriffen werden, aber wir müssen Aufpassen. Denn wer in einer Demokratie schläft, könnte sehr schnell in einer Diktatur aufwachen. – Auch das hatten wir schon einmal!


Demokratie in der Freimaurerei


Zu meinen Betrachtungen zur Demokratie unseres Landes gehört natürlich zwangsläufig auch eine Betrachtung der demokratischen Verhältnisse unseres Bundes. Einem Bund, der sich gern an die Spitze der Kämpfer für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit  den Kämpfern der Aufklärung des 18. Jahrhunderts stellt. Wenn er (dieser Bund) sich auf dieses Podest stellen möchte, ist dem natürlich nichts entgegen zu setzten – ich würde es sogar begrüßen, aber nur, wenn er praktisch auch Vorreiter in der Evolution der demokratische Systeme ist, wenn er für Änderungen aufgeschlossen wäre und auch zu Experimenten in der Lage wäre. Denn Demokratie heißt Leben, Ausprobieren und bei Nichtgefallen auch Ändern. Demokratie muss ein stetiger Prozess sein, Demokratie kann nicht verharren in alten Dogmen und muss sich den Wünschen der Bürger in unserem Fall der Brüder öffnen.

„Wenn du etwas in unserem Bund ändern willst, dann setze unsere demokratischen Systeme ein" heißt es, wenn ich zum Beispiel die Unmöglichkeiten der religiösen Symbole und religiösen Inhalte unserer Rituale moniere. Unser „demokratisches“ System, was leider auch keine Mechanismen vergleichbar der Volksabstimmungen hat. Auch ein System für Minderheitenschutz fehlt vollkommen.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, seine Wünsche „verfassungsbildend“ zu artikulieren. Man muss seine Brüder überzeugen, die dann dem MvSt. den Auftrag geben, die Wünsche auf den Stuhlmeistertagen zur Abstimmung zu bringen. Das ist ein rudimentäres System aus unserer Staatsverfassung. Wie will z.B. ein MvSt. ein Thema von dem er womöglich selbst nicht überzeugt ist, überzeugend den anderen Meistern dieser Versammlung glaubhaft rüberbringen?

Es heißt immer, wir sind keine Ersatzreligion denn wir sind bei A.F.U.A.M eine Freimaurerei die in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung steht. Ich möchte jetzt keinesfalls behaupten, dass religiöse Menschen keine Humanisten sind, denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Religion ist Religion und gehört in die Kirchen, in die Moscheen meinetwegen auch in die Herzen der gläubigen Menschen aber NICHT in die Freimaurerei.

Mir ist bekannt, dass die Brüder, die die gleichen Forderungen haben NOCH in der Minderheit sind. Aber wie gehen wir jetzt wirklich mit diesen Einstellungen um. Schwule und Lesben sind auch eine Minderheit in unserem Volk, es bedeutet aber heute keine Probleme mehr, ihnen die gleichen Rechte wie der Mehrheit zuzubilligen. Ja gerade die Hetero-Sexuelle Mehrheit kämpft für die Rechte dieser Minderheiten. Warum geht das nicht in unserem Bund? Zumal die Gegner der religiösen Elemente wie ich finde, die meisten Argumente auf ihrer Seite haben.

Nur ein kleines, meiner Meinung nach, unumstößliches rein rechnerisches Beispiel hierzu:

Wir beklagen uns um schwindende Mitgliederzahlen (Allein in den letzten 40 Jahren hat sich die Mitgliederzahl weltweit mehr als halbiert, was einen Verlust von 3,2 Millionen Brüder bedeutet).
Betrachten wir uns die Verluste der christlichen Kirchen im gleichen Zeitraum sind sie durchaus vergleichbar. 1970 waren ca. 3,9 % der Bevölkerung konfessionslos während 2008 bereits 34,1 Prozent der Bevölkerung konfessionslos ist - im Vergleich zu den einzelnen Konfessionen die weitaus größte Gruppe. Das dies ein kräftiges wenn auch nur ein quantitatives Argument dafür ist, die Religionen aus unserer Freimaurerei raus zu lassen, ist kaum von der Hand zu weisen. Viel wichtiger sind sicher die inhaltlichen Argumente, aber die lassen sich sehr schwer an gläubige Brüder vermitteln.

So nur ein paar kleine, willkürlich aus dem 1. Grad herausgesuchte Textpassagen wie z.B.

  1. der gBaW.
  2. Die Bibel als heiliges Buch,
  3. die heiligen Hallen,
  4. der Tempel,
  5. der Altar,
  6. wird er (der Hohe Hut) getragen, kann er entsprechend dem Brauchtum der Loge bei Anrufungen des Großen Baumeisters aller Welten gelüftet werden,
  7. so öffne ich diese gerechte und vollkommene Lehrlingsloge in Ehrfurcht vor dem Großen Baumeister aller Welten
  8. Großer Baumeister aller Welten ! Wir bewundern Deine Weisheit und Größe im Weltall; wir bewundern sie vorzüglich im Menschen, der allein, obgleich nur unvollkommen, Dich erkennen und anbeten kann.

Uns sollte dabei klar sein, dass nach Prägung von A.F.A.M. der gBaW dem Naturgesetz entsprechen soll und nicht einem Gott gleichzusetzen ist. Warum man allerdings ein Naturgesetz huldigen soll, ist mir immer noch nicht klar geworden.

Ich versuche seit Jahren die Ansicht, dass religiöse Symbole und Handlungen keinen Platz in einer humanitären Maurerei haben, zu thematisieren und ernte oft nur brüderliche Feindschaft, werde als Missionar beschimpft und in zugegeben seltenen Fällen sogar hinterrücks diffamiert. Als letztes, meist einziges Argument wird mir geraten, eine eigene Großloge zu gründen oder gar diesen Bund zu verlassen. Auch wird mir unterstellt, nicht die notwendige Toleranz für die religiösen Gefühle der Brüder entwickelt zu haben. 

Ich hoffe, einem dieser gläubigen Brüder, der sich auch für die Rechte der andersgeschlechtlichen Minderheit einsetzt, lehnt sich einmal zurück und denkt über die Wünsche der  andersdenkenden Brüder in unserem Bund nach. Sicher, ER braucht dafür eine gehörige Portion an Toleranz, Mitgefühl und Empathie – alles Attribute, die doch unser humanistischer Ethikbund fördern sollte. Ich möchte nicht wissen, wie viele Brüder wir durch dieses nie logenübergreifend behandelte Thema bereits verloren haben bzw. nie gewinnen werden.

Aus dem Ritual:
„Weisheit, Stärke und Schönheit sind die drei Säulen, auf denen die Loge ruht.“

Ich finde, wir ruhen uns vor dem Glanz der Säule der Schönheit aus. Die Säule der Stärke und vor allem die der Weisheit müssen wir noch erkennen.



Ich muss es zum Schluss meines Vortrages tun - einige Gedanken berühmter Männer zur Demokratie:


George Bernard Shaw:
Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.

Karl Jaspers
Die Demokratie setzt die Vernunft im Volke voraus, die sie erst hervorbringen soll.

Barack Obama
Wahlen allein machen noch keine Demokratie.

Abraham Lincoln
Demokratie: die Regierung des Volkes durch das Volk für das Volk.

Zum passenden Thread (Diskussion) in Facebook hier.



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