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Streitschrift für ein Freimaurertum ohne Grenzen


(Beitrag vom 31.03.2012 korrigiert am 01.04.2012)

Es ist Hochmittag und die rechte Zeit für den Aufbruch in eine neue Epoche freimaurerischen Denkens und Handelns.

Ich könnte ja nun beginnen, ausführlich zu berichten, wie gelungen letztes Jahr wieder alles verlief, wie viele Stiftungsfeste und Tagungen wir begehen und wie viele Ehrungen wir durchführen durften. Wie viele lobenswerte Zeichnungen gehalten und wie viele Logenhäuser renoviert wurden. Herrliche Johannesfeste und besinnlichen Lichtfeste mit Schwestern nicht zu vergessen. Alles in allem ein ereignisreiches Jahr, zumindest was das Feiern von uns selbst anbelangt.


Hier würde mir auch jeder gleich zustimmen und mir anerkennend auf die Schulter klopfen, vor so viel Lob aus meinem Munde. Ist Lob doch eine Anerkennung so weiterzumachen.

Ich will so aber nicht weitermachen, denn Stillstand ist nicht nur Rückschritt, sondern ganz besonders in unserem Falle zerstörerisch, zumindest was die Durchsetzung unserer Ideale anbelangt.

Auf so eine Anerkennung kann ich verzichten, vielmehr will ich all die Träumer, Phantasten und Schläfer aufrütteln und ihnen die nackten Tatsachen vor Augen führen, all die Missstände in unseren Reihen. Ich will vor allem diejenigen ansprechen, die nicht nur in die Loge kommen, weil es dort schön ist und sie gepflegt essen, trinken und reden können, um dann beruhigt wieder nach Hause gehen dürfen, haben sie doch den Rauhen Stein gesehen, ihre Anwesenheit bekundet und eine Zeichnung gehört – genug der Arbeit. Alles andere findet sich schon. Man müsse eben Geduld haben und nicht vorpreschen wollen, wie ich es tue. Geduld, mein Junge, wie ich öfters zu hören bekam, es wird schon. So warte ich nun seit 15 Jahren, allerdings vergebens. Die kleinen Hoffnungsschimmer erwiesen sich meist als Luftblasen.

Wie ist es um unsere Toleranz bestellt und um unseren Kampf gegen Dogmatismus, wenn einem Bruder der Zutritt zu tschechischen Logen seitens der tschechischen Großloge untersagt wird, nur weil er seine Ehefrau, die Mitglied in einer gemischten und damit irregulären Loge ist, in eine selbige begleitet hat?
Und wie ist diesbezüglich das Verhalten von Brüdern zu verstehen, die sich brüskieren wenn ein Bruder des Grand Orient de France in ihrer Loge als besuchender Bruder um Einlass bittet?

Und wie, meine lieben Schwestern und Brüder, ist es zu verstehen, wenn AFAM- Brüder jeden Meinungsaustausch mit dem Groß- Orient von Deutschland ablehnen, weil dieser irregulär sei und wenn AFAM- Brüder den Freimaurerorden vehement als dogmatisch und unfreimaurerisch ablehnen?

Die Liste der Intoleranz ließe sich beliebig fortführen. Dazu gehören auch die Logen internen Animositäten und Streitereien, bei denen es wie unter Kleinkindern um das Ausleben von Machtallüren und Besitzansprüchen geht.

Ehrlichkeit und Ehre sind häufig zu Fremdworten und bloßen Lippenbekenntnissen mutiert, anstatt sie zu leben. Keiner will sich etwas sagen lassen und fühlt sich zutiefst beleidigt, wenn er glaubt jemand würde an seinem Stein arbeiten wollen, nur weil dieser ihm helfen und einen Spiegel vorsetzen möchte. Paradox!
Wie soll ein Mensch erkennen, was er alles besser machen könnte, wenn er sich in seiner eigenen Subjektivität verrennt und jede gut gemeinte Hilfe verschmäht und gleich als Intoleranz abtut?

Wie arrogant muss man eigentlich sein, anzunehmen, einzig und allein als Freimaurer benötige man keine Weiterbildung seiner Persönlichkeit, nur weil man schon Meister sei. In jedem Beruf ist die Fortbildung ein wesentlicher Bestandteil der Qualität.
Ich will nicht bestreiten, dass jeder gemäß seiner geistigen Fähigkeiten in der Lage wäre sich gemäß seiner Erlebnisse, sofern er sie richtig zu deuten weiß, weiterzubilden. Sollte dies doch unser tägliches Bemühen sein. Doch wie lange wärt dieser einsame Weg?

In keiner Berufsgruppe steht einem dafür die nötige Zeit zur Verfügung. Und wir als Freimaurer, angesichts einer desolaten Gesellschaftssituation, haben sie? Wäre es nicht sinnvoller, sich in Schulungen, Gesprächen, internen Workshops u.a. Wissen anzueignen, zu lernen, wie man besser an sich arbeiten, wie man sich besser in der Gesellschaft behaupten und freimaurerische Ziele durchsetzen kann?
Oder ist denen recht zu geben, die von sich behaupten, sie seien doch alle Persönlichkeiten und hätten Fortbildungen nicht nötig, wie es mir gegenüber Stuhlmeister auf einer Stuhlmeistertagung behaupteten? Dies kommt mir dann so vor wie meine lieben Medizinerkollegen, die nach dem Examen glauben, sie könnten bereits alles.

Heißt es nicht für den ernsthaft engagierten Freimaurer, er sei Lehrling auf Lebenszeit?
Nur im gegenseitigen Meinungsaustausch wächst der Weise. So mancher Bruder aber nennt sich Mediator und ist nicht in der Lage in eigener Sache ein schlichtendes Gespräch anzubieten. Andere drohen gleich mit dem Ehrenrat, weil jemand wagte, die Wahrheit anzusprechen.

Wo, wenn nicht in der Freimaurerei, bestünde die Möglichkeit an seiner Persönlichkeit arbeiten zu können ohne vernichtende Kritik erwarten zu müssen. Wir sind Brüder unter Brüdern, die es miteinander gut meinen und sich keiner Diskussion entziehen, zumindest sollte es so sein.

Respekt, Aufrichtigkeit und Achtung sind gefragt. Aber Unterschlagungen, Unehrlichkeit, Neid und Postengerangel verdunkeln das Licht der Freimaurerei. Imponiergehabe und Eitelkeiten verwässern ehrenhafte Werte zu Oberflächlichkeiten.

Eine Freimaurerin stellte mit Recht fest, dass man in der Zeitschrift „Humanität“ nur Bilder von Banketts und hoch dekorierten und geschmückten Brüdern zu sehen bekommt. Ballsäle und eitles Gehabe anstatt freimaurerischer Arbeit, so die Schwester – und ich muss ihr zustimmen.

Zu viele Brüder verharren in alten Strukturen, lehnen z.B. Frauen als Freimaurerinnen ab, mit der Begründung es könnten sexuelle Signale die Harmonie der Gemeinschaft stören. Sollten wir als aufgeklärte Personen nicht über solchen körperlichen Befangenheiten stehen?
Und was für einer Gemeinschaft, was für eine Harmonie? Eine Männergemeinschaft, wo man sich nicht auf die Finger schauen lassen will, wo Brüder vor der Logenarbeit mit Witzen niedrigstem Niveaus aufwarten- einfach peinlich.

Wo sind wir, frage ich mich manchmal? Sind wir in einer Saufrunde unter Kameraden und Kumpels, die von ihren vermeintlichen Heldentaten prahlen?
Oder um das Gegenteil nicht ungenannt zu lassen, sitzen wir unsere Zeit unter Theoretikern ab, die in hochgeistigen Ergüssen schwelgen und sich in rumvoller Vergangenheit verlieren, anstatt ihre Arbeit als Freimaurer und humanistisch orientierter Mensch aufzunehmen?

Wir verstecken uns hinter großspurigen Namen und Titeln, aber von eigentlicher freimaurerischer Arbeit ist leider nur wenig zu sehen und zu hören. Aber wenigstens verstehen wir zu feiern. Ob jedes Jahr ein Stiftungsfest oder andere Ehrentage, Die deutsche Freimaurerei hat sich selbst zu einer oberflächlichen Farce degradiert.

Ja meine lieben Schwestern und Brüder, unangenehm berührt durch meine Worte sieht sich nur derjenige, der die Tatsachen nicht mehr sieht.

Warum sind wir in Deutschland lediglich 14.000 Brüder, während in Belgien 22.000 arbeiten, in Frankreich allein 23.000 Freimaurerinnen aktiv sind und auf dem totalitären Kuba knapp 29.000 Brüder gezählt werden?

Warum frage ich Euch, warum sind im Lande der Denker und Dichter nicht mehr für die Freimaurerei zu begeistern? Ist es die Freimaurerei als solche, werden ihre Ideale nicht entsprechend vermittelt oder sind es die Brüder selbst, die hier als Negativvorbild dienen?
Ich frage ja nur, denkt einmal nach, machen wir wirklich alles richtig? Die jungen Brüder können nur das vermitteln, was man ihnen beigebracht und vorgelebt hat. Ist es da verwunderlich, wenn ihnen die Klarheit freimaurerischer Tugenden versagt bleibt?

Wo sind unsere Ideale geblieben unsere Visionen von einer besseren Welt? Sind wir gescheitert und ertränken unsere Sehnsüchte, so sie noch überhaupt jemand hegt, lieber in Wein und Sekt?
Wie kann ich dies alles nur wagen zu behaupten, wo doch jeder für sich in seinem stillen Kämmerlein an seinem eigenen Rauhen Stein arbeite, so leise vor sich hin, aber die uneingeschränkte Toleranz des anderen einfordernd, damit der Erfolg der eigenen Arbeit unter keinen Umständen in Frage gestellt werden kann. Wie kann ich wagen hier Kritik zu äußern?
Nun, liebe Schwestern und Brüder, die Liste der Missstände in unseren Reihen lehrt mich dies.
Doch mit dieser kleinkarierten Schrebergartenmentalität muss endlich Schluss sein, wenn die Freimaurerei in Deutschland nicht weiter in ihren Dornröschenschlaf den Anschluss an die Zukunft verpassen will. Mit Schönrederei kommen wir nicht weiter.

Ich bin erstaunt, wie viele Schwestern und Brüder meine Ansichten teilen und schon am Rande der Resignation treiben, denn jeder Außenseiter und Kritiker wird erbarmungslos ausgegrenzt - ihre Namen sind zahlreich.

Ich gebe unverhohlen zu, wir wollen nicht alle Gestrigen zu bekehren versuchen, denn damit würde man unnötige Zeit vergeuden. Jeder schaue um sich, und er wird bestätigen können, was ich sagte, so noch einen Funken von Ehrlichkeit in ihm leuchtet.
Zu kostbar ist die Zeit des Menschen, die er behutsam und mit Weisheit einteilen muss, zwischen Familie, Beruf, Verpflichtung, Hobby und Leidenschaften, wie dem Drang nach Freiheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Wir sprechen diejenigen an, die gemeinsam in die Zukunft schauen wollen, die bereit sind auf dem Wege von Respekt, gegenseitiger Achtung aber mit dem nötigen Engagement an der Zukunft zu bauen, Perspektiven zu schaffen für jung und alt, sich nicht verstecken, sondern sich offen zu den Idealen der Freimaurerei bekennen.

Gemeinsam sind wir stark, gleich welcher Ausrichtung wir angehören, ob AFAM, Groß Orient, FO, Humanitas, Druiden, Odd Fellows, Templer, AASR oder York Ritus, wir alle haben uns freimaurerischen Zielen und Tugenden verschrieben. Bekennen wir uns nicht nur dazu, leben wir sie!

Lasst uns gemeinsam diesen beschwerlichen Weg gehen, in eine ungewisse Zukunft, die uns genügend Aufgaben stellt, deren Erfüllungen zu schwer sind, als dass wir es uns leisten könnten, uns noch untereinander zu bekämpfen und damit unnötig zu schwächen. Wer mit angezogenen Bremsen einen Berg hinauffahren will, tut sich schwer dort anzukommen.

Wir dürfen uns nicht vom Zeitgeist verführen lassen, der sich insbesondere durch Intoleranz, Irrtum, Verblendung, Eitelkeit und Egoismus auszeichnet. Man gab uns Weisheit, die wir nicht zu nutzen verstehen, man gab uns Stärke, die wir missbrauchen, und wahre Schönheit suchen wir in Oberflächlichkeiten. Vom Strudel des Materialismus droht jeder mitgerissen zu werden.

Viele grundlegende Dinge müssen geändert werden. Ziele sind neu und klar zu definieren. Mut ist erforderlich, um Farbe zu bekennen, überall dort wo in unserer Gesellschaft moralisch-sittlichen Werte verletzt werden, wo sich Unrecht anbahnt, wo Verstöße gegen die Menschenrechte begangen werden.

Schieben wir nicht auf, was heute zu erledigen ist, denn morgen ist es für viele zu spät. Der Grundgedanke der Freimaurerei ist es wert, es gibt keinen besseren.


Dies ist die Meinung eines Bruders der nicht genannt werden möchte.



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