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Über die Feldlogen in der Freimaurerei vom 05.06.2010


(Beitrag vom 08.03.2012 korrigiert am 28.02.2014)

Ehrwürdiger Meister von Stuhl, liebe Brüder,

heute haben wir uns hier an diesem schönen Ort versammelt um eine Feldloge abzuhalten. Doch was ist das eigentlich, eine Feldloge?

Als ich gefragt wurde, ob ich hier die Zeichnung auflegen wollte, hatte ich mir gedacht, sicher interessant und Anspruchsvoll ist es allemal sich einmal mit dem Begriff Feldloge zu beschäftigen.

Um zuerst einmal eins ganz klar herauszustellen - Feldlogen sind Kriegslogen die auch oft Militärlogen genannt wurden.

Zur Geschichte der Feldlogen:


Erst entstanden solche Logen, nicht  "im Feld" sondern auf den Schiffen der Engländer. Der Kapitän hatte das Patent und konnte  auf oder annehmen. Das verlagerte sich später auf die kämpfende Truppe. Heute gibt es noch mindestens eine Logenarbeit auf einem Schiff, in der man alle drei Grade miterleben kann, und zwar zu einer speziellen Jahreszeit auf einer Fähre zwischen Frankreich und GB (und retour).
1732 wurde die erste Stiftungsurkunde einer Feldloge von der Großloge von Irland ausgestellt. In England (seit 1750) und Schottland (seit 1743) machte das irische Beispiel bald Schule und es kam zu Nachahmungen innerhalb der englischen Großlogen.

In Amerika wurde 1738 im Rahmen einer Expedition auf kanadischen Gebiet eine Feldloge gegründet. In Großbritannien gründeten sich im 18. Jahrhundert die ersten Regimentslogen, um eine maurerische Tempelarbeit abhalten zu können wurden die Ritualgegenstände meistens in transportablen Truhen mitgeführt. Zwischen 1732 und 1755 wurden von den drei britischen Großlogen bereits 29 Militärlogen gestiftet. In der Verfassung der irischen Großloge von 1768 dem Irisch Code wurde den Brüdern garantiert an jedem Ort arbeiten zu können, Einheimische durften diese Logen nur aufnehmen, wenn sich an dem Ort keine andere Loge befand. Der Irisch Code war somit die früheste Regelung einer Großloge für eine Feldloge. Seit 1850 nahmen britische Feldlogen keine Zivilisten mehr in ihre Reihen auf.

Großer Beliebtheit erfreuten sich Feldlogen im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die bekannteste war die American Union Nr.1.

Ihr Siegel zeigte eine Kette aus dreizehn Ringen, entsprechend den im Kampf stehenden dreizehn Staaten. In der Schlacht von Long Island wurde ein großer Teil ihrer Mitglieder getötet, oder sie gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die restlichen Mitglieder retteten die Truhen mit den Ritualgegenständen und nahmen diese auf ihren Feldzügen mit. Im Zuge der Schlacht von Cooch's Bridge bei Delaware hielt die Loge erstmals wieder eine Weihnachtsfeier ab. Georg Washington nahm öfters bei den Zusammenkünften der American Union Nr.1 im Winterlager teil. Als die englische Feldloge Nr.227 auf einem Rückzug ihre Konstitution und die Logenembleme zurücklassen musste, ließ Washington diese durch einen Offizier mit Ehrenwache zurückbringen.

Eine grosse Rolle spielten Feldlogen in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts in Frankreich, wo diese in fast allen Regimentern existierten. Zunächst bestanden diese nur aus Offizieren, so dass sich um 1785 auch Unteroffizierslogen bildeten. Die französische Großloge Grand Orient de France verzeichnete im Jahre 1789 rund 69 Feldlogen, darunter auch eine Anzahl in fremden Regimentern wie z.B. Hessen-Darmstadt, Bayern und der Schweiz. In den Napoleonische Kriegen bestanden Feldlogen in allen beteiligten Armeen ausser der von Österreich.

Die erste wirkliche preußische Feldloge kam mit den schwedischen Truppen im Siebenjährigen Krieg, woran zwei seltene Gedenkmünzen erinnern. Aus dieser Loge ging die Loge Karl zu den drei Greife in Greifswald hervor. Diese arbeitet bis heute unter dem Schwedisches Lehrsystem. Unter der Großen Landesloge wurde 1811 auch die erste Feldloge gegründet, zu deren Brüdern auch Gebhard Leberecht von Blücher zählte, welcher Mitglied der in Schwedt/Oder gegründeten Feldloge Nr.1 war.
Preußen hatte sechs Feldlogen darunter die 1812 gegründete Friedrich zur Vaterlandsliebe beim Yorckschen Hilfskorps, welches unter dem Befehl von Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg stand.

Wenn man die Geschichte der Feldlogen betrachtet, könnte man durchaus annehmen ,die Freimaurerei hat das 19. Jahrhundert nur mit Hilfe der Feldlogen überdauert, was teilweise auch behauptet wird.
Über die Feldlogen gibt es diverse Legenden, die uns von Verbrüderungsszenen kurz vor oder während der Schlacht berichten. Aber leider gehören sie eher zu den Märchenstunden der Freimaurerei. Ich habe an allen möglichen Quellen recherchiert, um keine halbwegs brauchbaren Ergebnisse hierzu zu finden. Wenn es diese Szenen gegeben hätte, wären sie sicher in etlichen Quellen zu finden gewesen.

Was sich aber wirklich bei diesen Recherchen zeigte:

Mitte des 19. Jahrhunderts buhlten diverse Freimaurer-Organisationen um die Gunst der Männer, die sich auf die Suche nach der Beantwortung der Sinnfrage begeben hatten. Es entstanden die diversesten Hochgradsysteme, selbst den Rosenkreuzern gelang es, die ehemalige Grossloge „Zu den drei Weltkugeln“ zu unterwandern. Im Großen und Ganzen war die Freimaurerei in dieser Zeit der freimaurerischen Verirrungen sehr zerstritten und selbst fast dem Untergang geweiht.

Nur in einer Richtung entwickelten sich sämtliche deutschen Logen gleich. Aus den kühnen Aufklärern waren staatsfromme Positivisten und Diener des Staates geworden. Einig waren sie sich nur in zwei Dingen: keine Frauen und Gehorsam gegenüber dem Staat.

Kaiser Wilhelm I., mit dessen Konterfei sich meines Wissens auch die ein oder andere Loge schmückt, attestierte den Freimaurern unter diesem Hintergrund mit brüderlicher Zuneigung und offensichtlich nicht ohne Eigennutz: "Die Freimaurerlogen sind die wirksamsten Pflanzstätten wahrer Gottesfurcht, christlicher Frömmigkeit, sittlicher Tugenden, echter Vaterlandsliebe, zuverlässigster Untertanentreue, aufrichtigster Ehrfurcht und Ergebenheit gegen den Landesherrn, und werden es sein, solange die Ordnung im Bunde aufrechterhalten wird."

Während des ersten Weltkriegs schrieb Felix Witt-Hoe im Namen der soldatischen Feldlogen: "...der selbstverständlichen Treue vaterländischer Pflichterfüllung müssen wir eine höhere Weihe geben durch Höchstleistungen im Felde und in der Heimat und Konsolidierung des deutsch-nationalen Freimaurertums. Vor allem, und das sei mein erstes dringendes Bekenntnis, müssen wir jede leiseste Regung des utopischen Pazifismus in unseren Reihen mit der Wurzel ausrotten."

Die preußischen Feldlogen schilderten die elende Lage ihres Vaterlandes vor dem Kriege und beschrieben den heiligen Freiheitskampf und die wohltätige Wirksamkeit der Loge während des Kampfes. Sie erinnerten sich daran, wie während des Donners der Schlachten sie sich in der Loge gegenseitig gestärkt, um die Mühseligkeiten des Feldzuges zu tragen,(...) und wie sie so die Ketten zerrissen, die das Vaterland knechteten und dessen Ruhm wiederhergestellt haben.

Der russische General und Historiker Alexander Iwanowitsch Michailowski-Danilewski, welcher im November 1813 in die russische Feldloge „Zum heiligen Georg“ in Frankfurt aufgenommen wurde, schrieb über die preußische Feldloge „Zum eisernen Kreuz“, deren Mitglieder im Koalitionskrieg gegen Napoleon Bonaparte kämpften, folgende Beobachtungen in sein Tagebuch:

Die in der Loge gehaltenen Reden waren voll flammender Vaterlandsliebe. Am Tage nach der Schlacht oder am Vorabend derselben gehalten, begeisterten sie unsere Seelen zu edelsten Beschlüssen.
Mögen die Leute, die heute das Freimaurertum bekämpfen und die wahrscheinlich ihre patriotischen Gefühle darauf beschränkten, bei der Nachricht von unseren Siegen auf Festlichkeiten zu tanzen, mögen sie doch die Reden lesen, die in der Loge Zum eisernen Kreuz gehalten wurden.

Jedes Mitglied der Loge hatte vielfach sein Leben dem Vaterland zum Opfer angeboten (...) Als nach der Einnahme von Paris der entsetzliche Kampf aufhörte und Preußens Unabhängigkeit hergestellt, mithin das Ziel erreicht war, feierte die Loge Zum eisernen Kreuz ihre Schließung in feierliche Weise (im Mai 1814 im Palais Elysee Bourbon).

Wir haben nun schon über 60 Jahre Frieden in unserem Land. Seit jüngster Zeit werden unsere Soldaten, die ja laut Verfassung eine reine Verteidigungsarmee sein sollte, aber auch in einigen Auslandseinsätzen wie dem Kosovow und jüngst in Afghanistan eingesetzt. Hier sollten, wenn wir als Freimaurer unsere Aufgabe und Ziele ernst nehmen, alle Alarmglocken klingeln. Niemals, außer höchstens zur Verteidigung,  ist ein Krieg für die Durchsetzung irgendwelcher Lösungen zu akzeptieren. Wir sollten uns auch gerade bei der Durchführung einer Feldloge dieser Tatsache besinnen. Wir haben uns der Humanität verpflichtet und Kriege sind alles andere - Nur nicht human. Dies sollte uns eigentlich einen.

Wenn ich die Äußerungen einiger meiner Brüder, die im Rahmen dieser und vergangener Feldlogen gefallen sind, ernst nehme, muss ich mir schon Sorgen um unseren Bund und letztendlich auch um die Gesellschaft in der wir leben, machen.  Voller Inbrunst wurde die Schönheit dieser Arbeiten gelobt, was ja durchaus richtig und zutreffend ist, aber mit keinem Wort wurde jemals der Hintergrund und Ursprung und evtl. eine mögliche Bedeutung für die Zukunft näher betrachtet. Dies wäre eine angemessene Betrachtungsweise eines Freimaurers gewesen.

Wir als Freimaurer müssen uns gegen alle Kriege, egal ob sie für wirtschaftliche Interessen wie z.B. im Irak oder für angebliche terroristische Bedrohungen in Afghanistan geführt werden, stellen.

In Afghanistan hat es allein unter den deutschen Soldaten mehr Todesopfer und Leid gegeben, als durch sämtliche Terroranschläge in unserem Land - Die selbst gemachten Terroristen wie die RAF mit gerechnet. Von den Opfern in der dortigen Bevölkerung ganz zu schweigen.
Aber genau, hier ist er wieder, mein großer Fehler - Ich spreche vom wir was ich nach Aussagen einiger meiner Brüder nicht machen darf. Wir Freimaurer sind unverbindlich, jeder geht seinen maurerischen Weg für sich allein. Es gibt keine erklärten gemeinsamen Ansichten und Ziele. Nicht in unserem Bund und erst Recht nicht gegenüber der Öffentlichkeit.

Und genau das ist es, was uns so dehnbar und anfällig für ähnliche Thesen und glühenden Anfeuerungsreden macht, wie wir sie aus den ehemaligen Feldlogen gehört haben. Wir hängen in unseren Logen, ohne darüber nachzudenken, Bilder von brüderlichen Kaisern auf, die freimaurerischen Ansichten vertraten, die hoffentlich in der heutigen Zeit keinen Bestand mehr haben. Und dies alles nur, weil wir all zu oft ein wenig verklärt in der Vergangenheit schwelgen und sicher auch verlernt haben, die Tatsachen besser zu durchleuchten.

So machen wir uns auf zur nie endenden Sinnsuche, in unseren Logen meist in den Tempelarbeiten und wem der Meistergrad hierzu nicht reicht - Es geht zur Not ja weiter.
Tatsächlich haben wir noch nicht erkannt, dass wir als Freimaurer nicht mehr auf die Suche gehen müssen. Unserer Bund bietet den Sinn, der allein letztendlich im Aufbau des salomonischen Tempels, der humanen Gesellschaft begründet ist. Dafür müssen wir uns aber mit dieser Gesellschaft beschäftigen, alles in Frage stellen und versuchen, unter Brüdern diese komplexe, durch die Globalisierung nicht einfacher gewordene Gesellschaft zu verstehen und im Idealfall sogar Lösungen für die vorhandenen Probleme zu finden.
Zu diesen müssen wir aber dann auch stehen und sie in der Öffentlichkeit vertreten, wenn wir die Zukunft mit bestimmen wollen.

Hierzu habe ich gerade letzte Woche eine Statistik gemacht und mir die Arbeitspläne der letzten 3 Maurerjahre aus unserem Distrikt vorgenommen um zu versuchen, grafisch darzustellen, wie die Themen verteilt sind.
Was mich hierbei nicht sonderlich überrascht hatte:
Die Beschäftigung mit dem "Tempel der Humanität" betraf so ziemlich genau 7% aller Aktivitäten. Was, wenn wir uns und unsere Aufgabe wirklich ernst nehmen sollten, entschieden zu wenig ist.

Zum Schluss, auf besonderen Wunsch als Wiederholung, noch ein paar Zeilen brüderlicher Lyrik, die unbedingt als Metapher zu verstehen ist:

Manchmal glaube ich, ich fahre auf dem falschen Dampfer!

Einsam stehe ich hier am Bug dieses großen Schiffes, lausche in mich und schaue um mich. Backbord und Steuerbord treiben langsam, wie diffuse, mystische Schatten aus der Unterwelt, die mächtigen Eisberge vorbei.

Ich versuche den Namen des Schiffes zu entziffern und beuge mich ganz weit über die Reling TITAN… steht da, glaube ich. Mir wird schwindlig, ich stürze fast ab. Den Rest des Namens sehe ich nicht mehr, da mir der Wind und die Gischt oder etwas anderes die Augen trübt.

Der  Sturm frischt auf,  jedes Wort, was ich mir selber sage oder in die Welt hinaus brülle, spuckt er mir knallend zurück ins Gesicht.
Es ist kalt - Und es ist Nacht.

Unten in der Messe sitzen meine Freunde und hören ganz verzückt „Freude, schöner Götterfunken…. „ – Sie sehen und spüren dies alles hier nicht.

Der stolze Kapitän hoch oben im Steuerstand.
Prächtig ist er anzusehen wie er da unbeweglich, gleich einer Statue aus längst vergangenen Tagen steht, in seiner geputzten Uniform mit den goldenen Knöpfen und Emblemen auf der Jacke und den goldenen Streifen auf den Schulterklappen.

Gleichsam, fast monoton, wiederholt er:
„Egal was kommt, wir bleiben auf Kurs – Denn wir sind unsinkbar!“


Ehrwürdiger Meister, meine Zeichnung ist beendet möge der Große Baumeister den Bau, der nach ihr errichtet werden soll, gelingen lassen.

(Quellen für historische Bezüge: Wikipedia / Lennhoff)

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