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Religion, religiöse Symbole und Spiritualität in der Freimaurerei


(Beitrag vom 15.10.2013 korrigiert am 20.02.2018)

Religion, religiöse Symbole, Mysterien und Spiritualität in der Freimaurerei aus der Sicht eines kritischen Freimaurers.

Oft habe ich mich gefragt, was diese Symbole eigentlich bewegen sollen. Auch das Studium der unendlich vielen Erklärungsversuche der Brüder, die an den alten Mysterien und religiösen Symbolen festhalten wollen, haben mich nicht wirklich weiter gebracht. Alles ist dehnbar, nicht klar definiert und irgendwie von jedem Bruder anders zu deuten. So habe ich mir eine pluralistisch orientierte Freimaurerei nicht vorgestellt.


Gerade habe ich einen aus 8 Seiten bestehenden Erklärungsversuch der nun wirklich säkularisierten Freimaurerei des "irregulären" Zweiges der Freimaurerei (Grand Orient de France) in Frankreich gelesen.

Ehrlich gesagt, ich bin daraus nicht schlau geworden. Irgend etwas stimmt doch nicht, wenn man über 8 Seiten schreiben muss und ein langjähriger Freimaurer hat äußerste Mühe zu verstehen, was da geschrieben steht. Wie wollen wir diese "Argumente" der nicht eingeweihten Öffentlichkeit vermitteln?

Es fängt doch mit grundsätzlichen Begriffen an.

Nehmen wir einmal den "Tempel" (latein: templum) in dem wir Freimaurer unsere Rituale abhalten.
Nach der ursprünglichen Bedeutung ist das lediglich ein vom "Profanen" abgegrenzter Bereich. Heute jedoch ist "Tempel" umgangssprachlich ein "Heiliger Raum" den jeder als Ort für religiöse Handlungen versteht.

Begreift man in diesem Zusammenhang aber den Begriff "Profan" der auch oft in der Freimaurerei verwendet wird, ist eine weltliche Deutung noch sehr viel schwieriger. "Profan" kennzeichnet eine klare Abgrenzung zu religiösen, rituellen und magischen Eigenschaften. Hier kann man im Versuch einer säkularen Deutung noch tausende weitere Seiten schreiben, der Begriff "Tempel" wird auch erst Recht im Zusammenhang mit von der "Profanen" Welt abgegrenzten Bereich seine "Heiligkeit" einfach nicht los.
Auch der Ausdruck "In unseren heiligen Hallen" verstärkt diese Darstellung.

Warum benennen wir diesen Ort nicht einfach "Bauhütte" diesen ursprünglichen Ort, der er einmal war und auch nach den rituellen Handlungen ist. Ich denke da z.B. an Prüfung der Deckung, Errichtung des symbolischen Baus etc. Die Logen, in denen Deckung eigentlich keine Rolle spielt, werden meist als Bauhütten bezeichnet was m.E. auch aus der Historie betrachtet absolut falsch ist.

Noch schlimmer verhält es sich mit dem Begriff "Altar" auf dem auch noch das "Heilige Buch" (in unseren Breiten in der Regel die Bibel) liegt. Für "Altar" gibt es keinen weltlichen Begriff. "Altar" ist im schlimmsten Fall eine Opferstätte und im besten Fall eine Verehrungsstätte für Gottheiten. In Wirklichkeit und wie ich meine auch aus der Historie heraus ist da der Meistertisch (Reißbrett) gemeint. Warum benennen wir das nicht einfach so?
Es würde sogar helfen, dem Reißbrett und dem dazugehörigen Meister seinen wichtigen, längst vergessenen Platz als Architekt des symbolischen Baus einzuräumen.

Mir ist schon klar, jetzt kommen wieder die alten Mysteriker, die an Spiritualität oder gar an Religion glaubenden Brüder auf den Plan. "So geht das nicht" oder "Mit diesen Gedanken raubst du der Freimaurerei die Grundlage" werden sie sagen. Doch die Frage hierbei ist doch eigentlich - Was ist die wahre Grundlage bzw. der Sinn der Freimaurerei?

Die Freimaurerei ist KEINE Ersatzreligion heißt es zumindest bei AFAM. So kommt doch nur der weltliche Aspekt der Freimaurerei in Betracht und der lautet:

  1. Sich selbst zu erkennen und zwar gepaart aus der Innenansicht und der Außenansicht wie es die beiden ersten Grade in der Freimaurerei relativ klar aufzeigen.
  2. Aus diesen Erkenntnissen heraus zu versuchen, den symbolischen Bau der humanen Gesellschaft zu bauen.


Das ist doch ein Ziel, an dem sich viele Menschen versuchen und was man jedem Außenstehenden leicht erläutern kann.

Nehmen wir einmal meinen Vorschlag zum Meisterritual wieder auf:

Vorlage für die Idee war die Ausführung des ersten Astronauten auf demMond (Neil Armstrong), der einmal sehr plastisch schilderte, wie dasBild der aufgehenden Erde am Mondhorizont sein gesamtes späteres Leben beeinflusst hat. Er hat unsere gemeinsame Verantwortung für dieseswunderbare Kleinod erkannt.

Freimaurerische TA3 und der Tempel der Humanität  Eine große, freischwebende, möglicherweise beleuchtete Erde zwischen den drei Säulen.

Auch sollte am Eingang des Tempels ein Schlussstein ohne Werkzeug (Alserstes Bild für die Abschluss des ichbezogenen Seins) zu finden sein.

Der junge Meister wird mit dem Rücken zum Tempelmittelpunkt auf seine Reise geschickt. Die Texte auf der Reise sollten sich mit seiner bisherigen Aufgaben (schau in dich und schau um dich) beschäftigen und auf seine neue Aufgabe als Architekt des symbolischen Baus vorbereiten.

Hier würde dann auch besser der Lehrspruch "Schau auf dich"passen. Quasi als Aufforderung, das Wirken seines Werkes aus Distanz von oben zu betrachten einfach um sich klar zu machen, wie falsch und nicht zielführend die bisherige Ego-zentrierte Sichtweise auf die Welt ist - wenn man die Bedeutung der Gesamtheit verstanden hat.

Die Grenzen verschwimmen, der junge Meister verlässt seine bisherige EGO-Ausrichtung und wird Bestandteil des Ganzen. Es wird ihm klar, wie verletzlich dieser Organismus Erde, dieser Tempel und wenn wir es schaffen, dieser Tempel der Humanität ist. Was dann auch eine besondere Art der Transzendenzerfahrung (zumindest im freimaurerischen Sinne) ist. Hier ist tatsächlich der Begriff "Tempel" nicht als religiöser Ort zu begreifen hier bezeichnet er die klare Abgrenzung der Lebenswelt von der der tödlichen "Leere" des Alls . Denn wenn man erkennt, daß die  Erdatmosphäre im Verhältnis zur Größe der Erde eine sehr dünne Schicht Luft ist (ca 50 km) die uns vom tödlichen Raum abgrenzt, dann wird einem sicher bewußt, wie verletzlich und schützenswert dieser Blaue Planet ist.

Für mich ist das eine besondere Transzendenzerfahrung imfreimaurerischen Sinn dieser Blick aus der Distanz auf die Erde, ähnlich wie es die Mondfahrer gesehen haben. Ich denke, so wird jedem klar,dass er ein Teil eines grossen Ganzen, Teil der Natur und dieseswunderschönen Planeten ist. Hier könnte eine völlig andere Sichtweise auf den Sinn des Lebens und unsere Aufgaben als hochentwickelte Spezies entstehen. Diese Erkenntnis kann für jeden Bruder ob Atheist, Mystiker, Spiritualist, gäubigen Christen, Muslime etc. eine Erfahrung sein - sie wäre dann auch als Brüderlich zu bezeichnen, da sie jedem sein Gefühl hierzu lässt.

Es sollte klar herausgestellt werden, dass der Meister die Arbeit an seinem Stein weitestgehend abgeschlossen hat. Er hat sich jetzt mit dem Zirkel in der Hand an das Reißbrett zu begeben um gemeinsam mit den Brüdern den Tempel der Humanität zu konstruieren mit allen Fehlern und Irrtümern die dabei zwangsläufig auftreten werden. Die weltweite Bruderkette könnte hier auch eine neue, tiefere Bedeutung bekommen.

Ich habe selbst schon bei 3 Parteien mitgewirkt und versucht, diese Gesellschaft mit zu gestalten. Was mir dabei nie gefallen hat, ist diese Dogmatisierung auf eine bestimmte Parteirichtung oder Ideologie. Man war nicht wirklich frei, seine Gedanken zu gestalten. Dies KÖNNTE anders sein in der Freimaurerei. Nur dafür müssen wir uns auch von unseren eigenen Dogmen befreien und aufhören, mit aller Kraft und hochintellektuellen Deutungsversuchen an der Sinnhaftigkeit der alten Mysterien, religiös behafteten Symbolen und Ritualen fest zu halten.

Rituale dienen m.E. hauptsächlich der Festigung des Bruderbundes was es erst ermöglicht, daß sich die Brüder auf „Gleicher Augenhöhe“ begegnen, daß man die Meinung des Anderen versucht zu verstehen um gegebenenfalls auch einmal das Winkelmaß (als Symbol für eine rechte Lebensführung und Einstellung) und das Senkblei (Als Sinnbild für Rechtschaffenheit und Geradlinigkeit des Charakters) an seine eigene Meinung anzulegen. So erst ist auch ein Meinungsaustausch und gemeinsames Lernen der Brüder aus den unterschiedlichsten Bildungs- und Gesellschaftsschichten möglich.
Dafür muss m.E. die Freimaurerei der AFuAM streng pluralistisch und vollkommen laizistisch orientiert sein.

Diese undogmatische Umgebung ist es doch, was wir Menschen heute suchen. Wir verstehen nicht mehr, was ist los auf dieser Welt. Jeder Einzelne ist damit überfordert er ist auf der Suche nach Erklärungen und Lösungsmöglichkeiten auf den Weg zu einer humanen Gesellschaft. Dies KÖNNTE die Freimaurerei in ihren Logen bieten - wenn wir uns wieder zu dem entwickeln, was wir meiner Meinung auch einmal waren.
Die Logen waren eine Stätte des Austausches und des Wissens, ein gedeckter Hort der queren und von Vorurteilen befreiter Gedanken.

Heute würden wir neusprachlich "thinktank" dazu sagen, was dann auch den Altvorderen die für die Rechte der Menschen während der Zeit der Aufklärung gekämpft haben, gerecht würde.

Zum passenden Thread (Diskussion) in Facebook hier.



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