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Ist Religion als ethische Grundlage für eine Gesellschaft noch sinnvoll?


(Beitrag vom 09.04.2012 korrigiert am 27.05.2013)

Religion oder alte Mysterien sind in der modernen Welt als ethische Basis für eine Gesellschaft nicht mehr sinnvoll.

Warum ist ein Umdenken notwendig?

Moralisch Grundeinstellungen gibt es schon bei den Tieren. Das ist längst bewiesen. Für mich zeigt es einmal mehr, dass selbst Werte über den Evolutionsprozess erlernt und weitergegeben werden. Moralische Werte bei Tieren sind unterschiedlich in verschiedenen Gruppen und Gattungen, weil sie andere Erfahrungen in ihrem Evolutionsprozess gemacht haben.

Bei uns Menschen gibt es mit den moralischen Grundsätzen ein Problem - Die menschliche Entwicklung der komplexen Sprache, medialer Techniken oder gar Religionen hat dazu geführt, dass unsere, oft angeborenen moralischen Vorstellungen fremdgeprägt oder gar verfälscht werden. Dies ist mit ein Grund für meine These nie alten Mysterien, Religionen und Medien zu vertrauen sondern nur dem eigenen Verstand (Logik) und der Intuition. Unsere Gefühle bzw. das Unterbewusstsein wurde schon von Kindesbeinen an manipuliert. Ich denke, daraus kann man sich nur mit Hilfe des Verstandes natürlich in Kombination mit seiner Intuition befreien.

Seit weit mehr als tausend Jahren werden wir von Kindesbeinen an nach religiösen Grundlagen erzogen. In unseren Breitengraden sind es nach der Zwangschristianisierung im Allgemeinen die religiösen Vorstellungen der beiden grossen christlichen Kirchen. Zwangsläufig wurden somit die Grundlagen unserer ethischen Ansichten durch deren Glaubensvorstellungen geprägt.

Da diese Erziehung schon im Vorschulalter in dem die Urteilsmöglichkeit des Kindes noch nicht sehr ausgeprägt ist anfängt, kann es sich nur um Indoktrination handeln. Selbst wenn dieser dann erwachsene Mensch von seinem Verstand her begreift, dass etwas nicht stimmen kann an seiner Religion, bleibt oft zeitlebens dieser Zweifel. Er kann sich nur sehr schwer von diesen fest verwurzelten Gedanken lösen.

Die Religionen wie auch die Freimaurerei glauben in der Regel an eine höhere Instanz (vergleichbar mit Gott) gegenüber der man sich dann natürlich auch mit seinen Handlungen und ethischen Ansichten verantwortlich fühlt. Zumindest in der katholischen Lehre, die stark auf Sühne aufgebaut ist, ist diese Instanz sehr präsent. Dies betrifft auch andere Glaubensrichtungen wie z.B. den Buddhismus, die auf die Weiterentwicklung und Wiedergeburt der Seele setzen - hier ist dann die Instanz der Glaube an die eigene  unsterbliche Seele, die ja nach "Erleuchtung" strebt. Wer setzt schon gern die Unsterblichkeit der Seele oder sein Karma aufs Spiel?

Der Glaube an eine individualisierte Seele führt oft dazu, dass man positive ethische Grundwerte aus der Sicht des eigenen Seelenheils entwickelt. Man geht in die EGO-Zentrierung ohne wirklich zu begreifen, daß der Einzelne (wie in unserem Fall) nur ein kleiner Teil des gesamten Organismus Erde ist, vergleichbar mit einer Zelle im Organismus Mensch.

Doch ist das überhaupt sinnvoll?
Wenn die ethische Grundeinstellung eines Menschen im Wesentlichen aus einer bestimmten Glaubensvorstellung erzeugt wird, was passiert dann eigentlich, wenn sich die religiösen Einstellungen im Laufe des Lebens dieses Menschen verändern, wenn er auf einmal nicht mehr glaubt?
Nach welchen Maßstäben ersetzt der Mensch dann seine Vorstellung von der auf seinen bisherigen Glauben aufgebauten Ethik?

In der heutigen Zeit beobachten wir eine vermehrte Abkehr der Menschen von religiösen Glaubensgrundlagen. Da setzen dann die marktradikalen Werbungen in den Medien und ähnlich denkender Politiker an. Die ethischen Vorstellungen dieser Menschen werden oft schnell durch das ständige Bombardement der egoistischen "Ich will haben" Botschaften gefüllt. Auch die wie in einer Endlosschleife wiederkehrenden Behauptungen vieler marktradikaler Politiker nach "Jeder ist für sich selbst verantwortlich", "Jeder muss für sich selber sorgen" oder "Wirtschaftswachstum ist das Ziel"  füllen diese Lücken. Natürlich ist jeder für sich selbst verantwortlich und sollte auch für sich und seine Familie sorgen aber in erster Linie leben wir in einer Gesellschaft und die hat die Aufgabe, jedem Mitglied Sicherheit zu geben. Die soziale Verantwortung eines jeden Einzelnen und der Gesellschaft ist eine ethische Grundlage für eine moderne und soziale Gesellschaftsform die dann auch in der Lage ist, über Gesetze die radikalen oft gegen die Natur, die Tiere und den Menschen gerichteten ausbeuterischen Tendenzen der Marktakteure zu regulieren. Die politischen und wirtschaftlichen Kräfte stellen die Interessen des Marktes an oberste Stelle - dem gehört es Einhalt zu gebieten. Die Märkte sind für die Gesellschaft da und nicht umgekehrt.

Die Suche nach Lösungen für kranke, alte oder anderwärtig hilfsbedürftige Mitmenschen darf nicht durch die Betrachtung der "Kosten" bestimmt werden. "Kosten" entstehen nur durch Geld und das ist ein überbewertetes Produkt des Marktes oft ist es nicht einmal Papier sondern nur eine Zahl in irgendeiner Bilanz. Wir haben genug Menschen, die kranke und alte Menschen pflegen wollen und können. Wir haben genug Ressourcen um Krankenhäuser, Schulen und Altenheime zu bauen. Wir haben genug Lehrer, die unseren Kindern Wissen vermitteln können. Auch hätte die Gesellschaft genug intelligente Köpfe, die in Universitäten für die Zukunft forschen könnten, wir müssen sie einsetzen ohne immer wieder die fiktiven "Kosten" zu betrachten. Heute werden Forschungen fast nur durch die Industrie finanziert was dann natürlich nur nach marktwirtschaftlichen Grundlagen geschieht. Die geldgebende Wirtschaft hat somit vergleichbar mit den Kirchen in der Vergangenheit einen massgeblichen Einfluß auf Bildung und Forschungsrichtungen.

Ich denke, die Zeit das die Religionen oder alte mystische Überlieferungen die Grundlagen für das ethische Verständnis der Menschen geliefert haben, ist vorbei.

Durch Überlegungen, die aus Verantwortung für eine humane Gesellschaft geprägt werden, müssen die ethischen Werte der Menschen gebildet werden. Ethische Grundlagen müssen aus weltlichen Überlegungen stammen. Dies ist ein langwieriger Prozess und braucht oft Generationen. Die moderne Wissenschaft und auch die Märkte schreiten mit Riesenschritten voran, sie haben sich quasi verselbstständigt, der Mensch und vor allem die Bildung von neuen, den Begebenheiten angepassten ethischen Grundsätze, können dem nicht mehr folgen. Die Märkte und selbst die märktesteuernden Menschen haben keine Religion, sie glauben nicht an eine höhere Instanz die ethische Grundsätze einfordert, ihr Gott ist die Gewinnmaximierung und das liebe Geld. Wenn sie an deren Stelle wären, würden sie ihre ethischen Grundsätze durch Religionen an die sie sowieso nicht glauben, prägen lassen? Sicher nicht!
Hier helfen nur gesellschaftlich, einheitlich geprägte Wertvorstellungen. Wer sich daran nicht halten will, grenzt sich selber aus. Das will keiner, auch kein Spekulant.

Stellen Sie sich einmal vor, morgen kann die Wissenschaft für uns logisch schlüssig beweisen - es gibt keine unsterbliche Seele, die Seele sei abhängig vom neuronalen Netz und ihre Existenz endet mit dem Tod. Was passiert dann eigentlich in Erkenntnis dieses dramatisch anderen Lebensbildes mit jedem Einzelnen von uns und seinen Wertvorstellungen?

Kann es nicht sein, dass viele Menschen das schon spüren?
Kann das vielleicht auch eine der Ursachen für die stetig ansteigenden Zahlen an psychisch erkrankten Menschen sein?

Etwa 1 Millionen Menschen wurden in 2004 wegen einer psychischen Erkrankung in ein Krankenhaus eingeliefert. Laut dem Map-Report beziffert das statistische Bundesamt die reinen jährlichen Behandlungskosten psychischer Erkrankungen auf über 22 Milliarden Euro. Dazu kommen Verdienstausfälle, Ausfälle an Rentenansprüchen sowie der nicht genau zu beziffernden Kosten für Produktionsausfälle. Etwa 50.000 Menschen in Deutschland steigen jährlich vorzeitig wegen dieser Erkrankungen aus dem Berufsleben aus. Psychische Erkrankungen sind mittlerweile mit ca. 31 Prozent die Hauptursache für Berufsunfähigkeit. Diese Erkrankungen haben sich somit zu einem erheblichen Kostenfaktor für unsere Gesellschaft gemausert.

Wir müssen unser Wertesystem radikal ändern.

Der Sinn des Lebens sowie die Grundlagen unserer Ethik dürfen nicht durch alte zusammengewürfelte Mysterien oder irgendeine Religion geprägt werden. Solange wir noch glauben was uns diese alten Vorstellung über eine "Schöpfung" und eine allwissende regelnde Kraft einimpfen, bekommen wir Lämmern gleich gar nicht mit, wie recht menschliche Mächte unsere Erde nach ihren Vorstellungen gestalten. Wir brauchen Werte und eine Ethik geprägt durch den gesunden Menschenverstand, wie ich finde, ein menschliches Grundbedürfnis.
Geschafft haben wir so etwas Ähnliches schon einmal mit der Charta der Menschenrechte.

Freiheit können wir nur gewinnen indem wir uns von Gott, den Religionen, den alten Mysterien und anderen die Gedanken vernebelnden Formen verabschieden. Freiheit zu erlangen ist aber ein sehr aufwendiger und äußerst verantwortungsvoller Weg.
Denn wir müssen dann auch absolute Verantwortung für uns selbst übernehmen.
Wir müssen uns selbst die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen und selbst nach Antworten suchen.
Wir müssen auch selbst Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Gesellschaft übernehmen.
Wir müssen auch selbst Verantwortung für die Kriege, die Not und das Elend auf dieser Welt übernehmen.

Aber wir dürfen dann auch selbst und voller Stolz die unbestrittene Schönheit dieser Welt geniessen.


Anlagen hierzu:

1. Eine Gehirn&Geist Diskussion mit Max-Planck-Direktor Wolf Singer und dem Philosophen Thomas Metzinger
   Thema: Ein Frontalangriff auf unser Selbstverständnis und unsere Menschenwürde als PDF-Datei

2.  Auch ein interessanter Artikel"Deutschland – ein Gottesstaat"

3.  Oder den Focus-Artikel"Die Suche nach dem Ich"

4. Oder der Beitrag über Wiedergeburt auf dieser Webseite

5. Oder der kleine Film Revolution des Bewusstseins, Jetzt! - Jiddu Krishnamurti 



(Die beste Stelle so finde ich, ist in der Mitte des Filmchens, in der er sich sichtlich erregt)


6.Oder der Film Michael Schmidt-Salomon bei Maybritt Illner



In diesem Beitrag merkt man deutlich, wie schwer es ist argumentativ gegen die Religionsbeführworter anzugehen.



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