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Kann Freimaurerei überhaupt modern sein? -Aus dem Fundus eines alten Freimaurers


(Beitrag vom 19.03.2014 korrigiert am 22.06.2017)

Gerade in den letzten Tagen in denen es in verschiedenen freimaurerischen Kreisen persönliche Angriffe und Kritik gegen mich hagelte habe ich mich heute Abend mit einem jungen Bruder, den ich auch als Freund bezeichnen möchte,  getroffen. 

Er zeigte mir einige Zeitschriften aus dem Fundus eines alten Freimaurers in denen wir genüsslich blätterten. Plötzlich stießen wir auf eine Zeitschrift der Vereinigten Großloge von Deutschland aus 1970  mit dem Titel "Freimaurerei - Was sie war - Was sie ist - was sie sein kann".

Hier stach uns direkt ein Artikel ins Auge, der sich vollkommen mit einem großen Teil der Thesen auf dieser Webseite deckt - und das 40 Jahre vor unserer Zeit. Auch die ständige entschuldigende Aussage "Veränderungen brauchen Zeit" auf Kritik aus eigenen Reihen sollte man bei dieser Zeichnung einmal überdenken.

Es folgt der ungekürzte, eingescannte Artikel:




Kann Freimaurerei überhaupt modern sein?

Ein Artikel, der uns vorliegt, wird von mir im folgenden dem Sinn nach in Ausschnitten wiedergegeben.
Der Artikel setzt sich grundsätzlich mit unserer Idee auseinander und sollte uns von daher gerade zum Nachdenken und zur Selbstbesinnung anregen oder erreichen, daß wir unseren Standpunkt genauer bestimmen. Das ist die Absicht; das hoffen wir zu erreichen.

Die FRM.: nimmt für sich in Anspruch, Arbeit zu leisten, d.h. sie will etwas verändern, meistens insbesondere den Einzelnen im Hinblick auf eine Vorstellung vom Individuum, seiner Selbstverwirklichung und der Stellung innerhalb der Gesellschaft.

Diese zu bejahenden Ziele sind keine spezifisch frm.:, sondern allgemein menschlicher Natur.

Wie kommt es aber nun, daß wir anstatt zu "arbeiten", dieser, ach so schnöden Welt entfliehen und uns in eine heile Welt voller Harmonie zurückziehen, in der Not, Hunger, Krieg, Unterdrückung, also alle Unmenschlichkeit dieser Welt keinen Platz hat?

Wo liegt der Beitrag der "Bauhütte", diese Welt zu ändern?

Die freimaurerische Menschwerdung wird durch Ritual und Symbollehre ermöglicht, also unsere Arbeit.

Verdient aber unsere Arbeit im Tempel noch diesen Namen?

Was tun wir im Tempel?

Rituale und Symbole wirken auf den irrationalen Teil des Menschen, sind von daher weder vom Wort noch vom Intellekt her zu erklären.

Eine Folge davon ist, daß wir durch diese emotionale Erziehung zur Anpassung erzogen werden, nämlich zur Anpassung an das frm.: System, an das formale So-Sein.

Der Suchende wird mit zunehmender Dauer und fortschreitender Einweihung integriert, und es stellt sich ein Abhängigkeitsverhalten ein.

Diese zunehmende Bindung muß aber die geistige Eigenentfaltung einengen, so daß der individuellen Emanzipation erhebliche Hemmnisse entgegenstehen, die rational nicht aufgearbeitet werden können.

So ist die Folge, daß die Gegenwart nicht bewältigt werden kann und wir die Vergangenheit Verherrlichen und überhöhen.

Dies wäre eine typische Fluchtbewegung hin zur "heilen Welt", "zum guten Alten" zu einer unbestimmten "verlorenen Mitte".

Dieses Streben ist eine Ersatzhandlung, das aus der Unsicherheit und der Unzufriedenheit mit sich selbst resultiert, letztlich aus der Unfähigkeit in dieser Welt zu leben und ihr "gerecht" zu werden.

Das wäre aber ein Zeichen, daß unsere Tempelarbeiten keine Arbeit mehr leisten, sondern zu Ersatz-Utopien geworden sind.

Frm.: Arbeit sollte jedoch ein dynamischer Bewusstwerdungsprozeß sein. Wir gingen davon aus, daß wir das Bewusstsein entern wollten, d.h. wir wollten Denkprozesse einleiten.

Das ist aber nur rational über das Medium Sprache möglich, wohlgemerkt unter Ausschaltung der auch in der Sprache enthaltenen irrationalen Elemente.

Auch hier muß die Aufgabe der Sprache noch entscheidend überdacht werden, damit wir nicht zu Mechanismen kommen, die bei bestimmten politischen, aber auch theologischen Redewendungen beim Zuhörer ablaufen.

Es soll hier keiner einseitigen Rationalität das Wort geredet werden, aber wir müssen diese Komponente in unsere Arbeit aufnehmen und sie nicht abwertend beiseite schieben, weil wir Frm.: dank "tieferer Einsichten" über die Ratio erhaben sind.

Kehren wir zur Tempelarbeit zurück. Auch hier bedient sich der Frm.: der Sprache, aber da eine nicht verbale Erkenntnisvermittlung angestrebt wird, ist die Sprache nur rein intuitiv bzw. beschreibend.

Mosaike werden zu Bildern zusammengesetzt, die letztlich immer auf die bekannte heile Welt hinauslaufen.

Das ist aber eine statische Welt, die so entsteht, die verlorengegangen ist, wiedergefunden werden soll, wobei die Welt selbst als unveränderbarer Urgrund auftritt, der aber Arbeit an ihr eigentlich überflüssig macht.

Eine solche Sprache kann nur Normen und Verhaltensmuster übermitteln, die ausschließlich unreflektiert übernommen werden können.

Allein die Sprachform kann aber neben dem Inhalt noch mehr ausdrücken, nämlich das Denken und das Weltbild des Sprechenden. Unsere Logensprache drückte bisher nur ein beharrendes, konservatives, reaktionäres Denken aus, das dem Bewusstsein ein progressives, evolutionäres Denken kaum ermöglicht.
So kann eine Veränderung des Individuums oder der Gruppe, der Loge, nicht erreicht werden, weil ein wesentlicher Wirkungsbereich der Arbeit ausgeschaltet wird, denn wir bemühen uns ausschließlich um Reproduktion.

Sprache wird also in Einheit mit Symbol und Ritual zu einem Instrument der Anpassung an überkommener Normen, wobei wir vergessen zu prüfen, ob diese Normen noch gültig sind.

Anspruch und Wirklichkeit sind somit ein Widerspruch in sich, der unbedingt aufgehoben werden muß.

So betrachtet müssen wir uns eingestehen, die ganzen Versuche, Neuerungen einzuführen, modern zu sein, Konzeptionen zu entwickeln, zu Problemen der Zeit Aussagen zu machen, oder auch durch Belebung alter frm.: Bräuche Leben in die Loge zu bringen, müssen fehlschlagen.

Diese Fluchtpunkte unreflektierter Anpassung führen zur Totalanpassung und damit schließlich dazu, daß alles beim Alten bleibt und (Friedhofs) Ruhe einkehrt.

Kommen wir aber zur Sprache zurück. Das Gegenteil des intuitiven Denkens wäre das diskursive, das-gegenständliche, das sich logisch-dialektisch entwickelt.

Statt eines synthetischen Denkens, das sich im Zusammensetzen einer bipolaren Welt erschöpft, würde ein analytisches Denken treten, das nicht versucht zu harmonisieren, dafür aber das Bewusstsein jedes Einzelnen verändert und erst damit die Grundlage schafft für den "Tempelbau" - für die bestmögliche Welt.

Da wäre dann Arbeit möglich überflüssiges, formales Gehabe würde dann von selbst wegfallen.
Befreien wir die FRM.: aus ihrer Funktion, daß sie Selbstbestätigung für Zukurzgekommene ist.

Bilden wir uns nicht ein heimliche Elite zu sein, wir betrügen uns selbst und merken es nicht einmal.

Soweit der Artikel des Br.: Hafke, den ich überarbeitete, z.T. wörtlich übernahm. Möge er zur Selbstbesinnung beitragen!

Zum passenden Thread (Diskussion) in Facebook hier.

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