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Über das Gradsystem in der Freimaurerei


(Beitrag vom 08.03.2012 korrigiert am 16.10.2013)

Über das Gradsystem in der Freimaurerei - Gästeabend vom 23.04.2010

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Brüder,

heute möchte ich Ihnen versuchen, das Gradsystem der Freimaurerei ein wenig näher zu bringen. Wobei wir uns allerdings auf die wesentlichen Grade der regulären Logen, die in Deutschland gebräuchlich sind, beschränken wollen.
Vorab etwas zur Geschichte um die auch für mich manchmal sehr verwirrende Entwicklung der Gradsysteme zu verstehen.

Die heute bekannte spekulative Freimaurerei entstand im Laufe des 17. Jahrhundert aus den Bauhütten. Diese Bauhütten gab es fast in jeder größeren Stadt. Sie standen oft auch neben den Domen, die meist die größten Bauwerke ihrer Zeit und waren über die vielen Jahre der Bauzeit des Doms Heimat für Lehrlinge, Gesellen und Meister der verschiedenen am Bauwerk beteiligten Zünfte.

Die wichtigste und sicher auch mächtigste, in den Bauhütten vertretene Zunft bildeten die Steinmetze, die auch übergeordnet im Gegensatz zu den anderen Zünften, in einer Bruderschaft organisiert waren. Sie hatte eine eigene Ordnung, eine eigene Rechtsprechung und einen in seinen Grundzügen demokratischen Aufbau.

Es war allgemein üblich, dass die Mitglieder dieser Bruderschaft, besonders die wandernden Gesellen auch weit über das Land zogen um sich dann wieder bei einem Bauwerk an dem ihre Arbeit benötigt wurde, nieder zu lassen. Von diesen Wanderungen brachten sie viele neue Erkenntnisse (auch Erkenntnisse, die nicht unbedingt mit ihrem Handwerk zu tun hatten) mit, die dann in ihrer Bruderschaft diskutiert und verbreitet wurden.

Um sich nun in einer fremden Bauhütte als Zunftmitglied und mit seinen Wissensstand (Grad) ausweisen zu können, wurden damals geheime Zeichen, Wort und Griff wie sie noch heute in der Freimaurerei üblich sind, eingeführt.

Mehrere Artikel der Hüttenordnung verbieten ausdrücklich die Weitergabe von Hüttengebräuchen an Außenstehende. Das wesentliche Hüttengeheimnis war das Wissen um die Baukunst. Es durfte nur an Mitglieder der Steinmetzbruderschaft weitergegeben werden.

Durch die Hüttenordnung waren die Handwerker nur an den zu errichtenden Bau gebunden und hatten keinerlei Verpflichtungen gegenüber dem Gemeinwesen, woraus ihre gehobene Stellung zu anderen Handwerksbünden resultierte.

Faktisch endet die Zeit dieser gotischen Bauhütten 1731 mit ihrem endgültigen Verbot durch Kaiser Karl VI.
1707 wurde den Bauhütten bereits die eigene Gerichtsbarkeit untersagt. Ab dem 16. Jahrhundert gibt es Dokumente, die eine schleichende Vereinnahmung der Bauhütten durch die Zünfte belegen.

Nahezu zeitgleich, 1731 wurde mit englischem Patent die erste spekulative Freimaurerloge auf deutschsprachigem Gebiet in Hamburg gegründet.

Was unterscheidet nun im Wesentlichen die Steinmetzbruderschaft von der spekulativen, modernen Freimaurerei?

Mitglieder der Steinmetzbruderschaft  bzw. der Bauhütte konnten nur freie Steinmetzen werden, die eine untadelige Lebensführung und eine anerkannte handwerkliche Ausbildung vorzuweisen hatten.

Mitglieder der spekulativen Maurerei konnten alle Männer mit einer untadeligen Lebensführung allerdings ohne Nachweis einer anerkannten handwerklichen Ausbildung werden.

Um in eine Freimaurerloge aufgenommen zu werden, musste man nicht adelig sein oder aus einem bestimmten Stand kommen. Als ausschlaggebend für die Aufnahme war die individuelle Eignung. Adel und Bürgertum begegneten sich auf gleicher Ebene, soziale Ungleichheiten zwischen den Ständen wurden dadurch abgebaut.

Die wahrscheinlich erste überlieferte Aufnahme eines „Angenommenen Maurers“ ist im Protokoll der Loge Mary′s Chapel von Edinburgh  im Januar des Jahres 1600 zu finden. John Boswell wird hier als non operative mason erwähnt.

Die Grade der Johannismaurerei sind eine historische Übernahme aus der Tradition der Werkmaurerei, aus der die (sogenannte spekulative, also moderne) Freimaurerei hervorgegangen ist.


Man kann es als bewiesen ansehen, dass die Mitglieder der alten Bruderschaft Zeichen Wort und Griff als Erkennungszeichen benutzten. Was sie sicher nicht hatten, war ein Tempel und sicher auch keine Rituale im heutigen Umfang. Die hatten sie auch nicht nötig, da sie ihre enge Verbundenheit durch die oft sehr gefährlichen, gemeinsamen Arbeiten in den Höhen der Dome erreichten. Jeder war auf den Anderen angewiesen - Das Verbindet ungemein.

Nach Einführung der spekulativen Freimaurerei brauchte man, um die
Verbundenheit aufrecht zu erhalten, Ersatz für diese Arbeit. Man erschuf
die Werklehre und die daraus resultierende Arbeit im 1. Grad, dem Lehrlingsgrad dem jeder neu aufgenommene Bruder zuerst angehört.

Gemäß den alten Schriften waren die Rituale am Anfang der modernen Freimaurerei (also nach 1700) recht einfach und die Symbolik noch nicht sehr reichhaltig. Die gesamte Symbolik der damaligen Logen orientierte sich vollkommen an der alten Steinmetz-Tradition. Die ursprünglichen Rituale sind auch äußerst karg und einfach gewesen; erst eine Generation später, ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, ist das Bedürfnis nach Vergeistigung, d. h. Mystizismus und Illuminierung (Erleuchtung) aufgekommen. Dabei kam es geradezu zu einer Inflation der verschiedenen Freimaurerrichtungen und Gradsysteme.

Etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die „Strikte Observanz“, der strikte Gehorsam zu einem freimaurerischen Hochgradsystem. Freiherr von Hund, der Begründer der „Strikten Observanz“ führte diese auf die Tempelritter zurück und schuf damit die Legende einer Verbindung zwischen Freimaurern und Templern. Sein Nachfolger, der schwedische König Karl XIII. distanzierte sich allerdings wieder von dieser Legende.

Auch zu dieser Zeit waren zahlreiche Freimaurerlogen, darunter die Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ von den Gold und Rosenkreuzern unterwandert. Diese Mutterloge wurde zum Hauptsitz der Rosenkreuzer  in Deutschland. Nach einer Legende der Rosenkreuzer sei ihr Orden durch ägyptische „Ormusse“ oder „Licht-Weise“ in Schottland unter dem Namen „Bauleute des Ostens“ gegründet worden. Dieser Orden sei verschwunden und später durch Oliver Cromwell als „Freimaurerei“ wiedergeboren worden.

1776 wurde vom Philosophen und Kirchenrechtler Weishaupt und dem späteren Regierungspräsidenten der Pfalz Franz Xaver der Orden der Illuminati gegründet.

All diese, häufig durch den Adel und Intellektuellen initiierten Hochgrade, trugen im Wesentlich zu den Verschwörungstheorien, die sich um die Freimaurerei bis heute ranken, bei.

Nach und auch teilweise schon während diesem Zeitalter der freimaurerischen Verirrungen bildeten sich in Deutschland mehrere Großlogen heraus, die dann 1872 den Deutschen Großlogenbund gründeten was dann auch schnell zum Ende der meisten Hochgradsysteme führte.

Wir, die Freimaurer der Loge ????????????, sind eine sogenannte Johannisloge die auch als humanitäre „Blaue Freimaurerloge“ bezeichnet wird und wie ich finde, ein durchaus ausreichendes Gradsystem, das aus den 3 Graden wie sie auch in den alten Zünften üblich waren, besteht.

Dieses Gradsystem beinhaltet den Lehrling, den Gesellen und den Meister. Wir sind eine Freimaurerloge, die der  Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland,  kurz A.F.A.M angeschlossen ist.

Zusätzlich zur Blauen Maurerei gibt es in Deutschland noch zwei erwähnenswerte Hochgradsysteme die auch als „Rote Maurerei“ bezeichnet werden. Diese sind der York-Ritus mit seinen 13 Graden sowie der erst 1930 in Deutschland gegründete AASR auch „Alter angenommene Schottische Ritus“ genannt mit seinen 33 Graden.

Ein Freimaurer, der in diesen Graden arbeitet, sollte anderen Freimaurern immer auf gleicher Ebene begegnen, eine Hierarchie, wie sie sich womöglich aus dem Gradsystem ableiten lassen könnte, besteht nicht.

Ziel unserer humanitären Maurerei ist es, den Tempel der Humanität (Als Synonym für eine humane Gesellschaft) im Gegensatz zu den realen Dombauten vergangener Zeiten zu bilden. Hierfür brauchen wir Steine, Mörtel und bestimmte Werkzeuge, die sich als Symbole in der Freimaurerei widerspiegeln.

Der Großteil der freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter der Aufklärung. Im Folgenden dargestellt als fünf Grundpfeiler der Freimaurerei: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

  1. Freiheit soll verwirklicht werden durch die Freiheit vor Unterdrückung und Ausbeutung als Grundvoraussetzung der Freiheit des Geistes und der individuellen Verwirklichung.

  2. Gleichheit bedeutet Gleichheit der Menschen ohne Klassenunterschiede und Gleichheit vor dem Gesetz.

  3. Brüderlichkeit wird verwirklicht durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und der Verständigung mit- und untereinander.

  4. Toleranz wird gelebt durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen.

  5. Humanität umfasst die Summe aller vorherigen vier Grundsäulen und wird durch den „Tempel der Humanität“ symbolisiert, an dem wir Freimaurer arbeiten. Im freimaurerischen Sinn bedeutet Humanität die Lehre von der Würde des Menschen.

Das Ziel der Freimaurerei liegt darin, diese Grundsätze im Alltag zu leben, um so das menschlich Gute in der Welt zu fördern.


Nun zu unseren Graden – den 3 Graden der Blauen Johannismaurer:

Wie bereits oben erwähnt, findet sich jeder neu aufgenommene Maurer im Lehrlingsgrad, dem ersten Grad der Johannismaurer wieder. Das Motto dieses Grades ist 'Schau in Dich' – Diese transzendente Erkenntnis ist eine Aufforderung zur Selbsterkenntnis, eine Anregung zum An-sich-selber-arbeiten. Quasi auch eine Aufforderung der Selbstbesinnung. Der Bruder Lehrling sollte in seiner Loge aus den Gesprächen seiner Brüder lernen, seine Brüder beobachten und im Idealfall mögliche Vorbilder suchen um sich deren herausragenden Tugenden für sich selber zu Nutzen zu machen. Seine Hauptaufgabe ist es zu ergründen, wie aus dem symbolischen unvollkommenen „rauen Stein“ ein behauener Stein werden kann.  Als wesentliches Werkzeug steht dem Lehrling hierfür der Spitzhammer zur Verfügung.

Ein Freimaurer im ersten Grad lernt sich seiner Schwächen bewusst zu werden und dass er folglich der Hilfe seiner Mitmenschen bedarf. Hilfsbereit geht er im Gegenzug denjenigen zur Hand, die wiederum seine Hilfe benötigen. Wird er belehrt, so ist es seine Aufgabe, dies stets zu hinterfragen, um den Sinn dahinter zu verstehen, statt kritiklos möglicherweise falsche oder falsch verstandene Handlungsanweisungen zu übernehmen, die nachher großen Schaden anrichten könnten.
Zum Freimaurerlehrling gehört eine „Tempelarbeit“ die in der Regel hauptsächlich ausgeführt wird und die Werklehre der Maurerei beinhaltet.

Je nach Brauch der einzelnen Loge erfolgt die Beförderung zum Gesellen nach ein bis zwei Jahren. Hier bedeutet das Motto 'Schau um Dich' den Hinweis auf die Einbindung in die menschliche Gesellschaft, die sozialen Verpflichtungen der Reflexion des eigenen Sozialverhaltens, aber auch auf das Leben schlechthin mit allen seinen Höhen und Tiefen. Vom Gesellen wird erwartet, dass er sich auf die „Wanderschaft“ begibt und in seinen Gesellenjahren möglichst viele fremde Logen besucht und lernt neue Dinge und Aspekte und ihre Vergänglichkeit kennen. Er unterstützt mit seinen neu erworbenen Fähigkeiten seine Mitmenschen und so fügt sich der nun behauene Stein langsam in das gemeinsame symbolische Bauwerk der Humanität ein. Hierfür benutzt der Geselle Mörtel, den er mit seinem Hauptwerkzeug, der Kelle glätten kann.

In der humanitären Freimaurerei ist der Gesellengrad ein wichtiger Grad da er wie kein anderer die Verpflichtung der  Verbundenheit der Maurerei zur Entwicklung unserer Gesellschaft aufzeigt und auch darauf hinweist, wie wichtig es für die Maurerei ist, nach Außen zu gehen.
Zum Gesellengrad gehört eine „Tempelarbeit“, die nur während der Beförderung eines Lehrlings zum Gesellen durchgeführt wird.

Wenn nach weiteren ein bis zwei Jahren die Erhebung zum Meister erfolgt, wird, dieser mit dem Motto 'Schau über Dich' auf die Endlichkeit unserer irdischen Existenz hingewiesen. Der Meistergrad beschäftigt sich mit dem Sinn des Lebens und dessen Ende. Diese Deutung hat sicher etwas mit den christlichen Wurzeln der Freimaurerei zu tun.

Anders kann man den Blick in die Unendlichkeit des Weltalls aber auch als Mahnung an die Zerbrechlichkeit unserer kleinen Welt und die Unbedeutendheit unserer Selbst betrachten. Auch als Erinnerung unserer Kurzlebigkeit und damit der Notwendigkeit zur Bewegung im geistigen und ethischen Sinn - was mir als Deutung weitaus besser gefällt.

Zum Meistergrad gehört eine „Tempelarbeit“, die nur während der Erhebung eines Gesellen zum Meister durchgeführt wird.

Für mich ist die „Tempelarbeit“ im 3. Grad, dem Meistergrad eines der missverständlichsten Arbeiten unseres Systems da sie meines Erachtens zu viele religiöse, mystische und biblische Elemente enthält.

Wie oben bereits erwähnt, ist die Lehrlingsarbeit die wir kurz als TA1 bezeichnen, die Arbeit, die mit aller Regelmäßigkeit durchgeführt wird. Meines Erachtens führt sie wie keine andere Arbeit zur Festigung des Bruderbundes, dem einzigartigen und alleinigen Geheimnis der Freimaurerei und steht damit für mich als die wichtigste freimaurerische Tempelarbeit überhaupt.

Hier kommt dann das eigentliche Ziel der Freimaurerei wieder zum Tragen. Der Aufbau einer humanen Gesellschaft. Durch die Festigung des Bruderbundes ist es erst möglich, dass sich die Brüder auf „Gleicher Augenhöhe“ begegnen, dass man die Meinung des Anderen versucht zu verstehen um gegebenen Falls auch einmal das Winkelmaß (als Symbol für eine rechte Lebensführung und Einstellung) und das Senkblei (Als Sinnbild für Rechtschaffenheit und Geradlinigkeit des Charakters) an seine eigene Meinung anzulegen. So erst ist auch ein Meinungsaustausch und gemeinsames Lernen der Brüder aus den unterschiedlichsten Bildungs- und Gesellschaftsschichten möglich.

Nun möchte ich meinen Vortrag mit den Worten des MvSt am Ende einer Arbeit im 1. Grad schließen:

Geht  nun  zurück  in  die Welt, meine Brüder, und bewährt Euch als Freimaurer. Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf Euch selbst.
Es geschehe also - ziehet hin in Frieden.


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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