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Die Zukunft der Freimaurerei in 50 Jahren trotz schwindender gläubiger Menschen


(Beitrag vom 30.01.2015 korrigiert am 22.06.2017)

Heute Morgen wurde ich auf einen Artikel in einem Freimaurerforum in Facebook aufmerksam. Er bezog sich auf einen Tageszeitungsartikel in dem dargestellt wurde, daß sich immer mehr Menschen von den Kirchen abwenden.

Allein die Einleitung zu dem Artikel:
"...Immer weniger Menschen nehmen Vorstellungskraft, Glauben und Religiosität als Bereicherung in ihrem Leben wahr. Wie wird sich die Freimaurerei in 50 Jahren unter diesen Voraussetzungen verändert haben?...."

impliziert für mich, die Freimaurerei hat offensichtlich sehr viel mit Glaubensfragen/Religiosität zu tun denn sonst hätte der Rückgang keinen Einfluss auf die Freimaurerei und man würde die Frage nicht in dieser Form stellen.

Wen wundert es, dies ist MEIN Kritikpunkt an der Freimaurerei!


Genau diese Glaubensfragen, die immer wieder geleugnet oder zumindest verwässert werden, deren Kritiker sogar oft angegriffen werden, machen mir meine Mitgliedschaft schon manchmal schwer.

Man möchte daran wirklich nichts ändern, man versteckt sich hinter Geheimnissen und zwar in der Hoffnung, dass dies nicht weiter auffällt. Ist der Freimaurer mal einige Jahre dabei und hat damit erst die Kenntnisse, dies zu erkennen, zieht hoffentlich der Gruppenzwang, die Freunde die man ja unweigerlich im Bund auch kennen lernen kann oder diese teilweise schönen Bruderabende (Logenabhängig) um den Bruder bei der Stange zu halten.

Offensichtlich hat man vergessen, was die damalige Befragung (2008) auf der AFuAM-Webseite ergeben hat. Der weitaus größte Teil der Interessierten fühlten sich zu uns hingezogen wegen Verbesserungsmöglichkeit der eigenen Persönlichkeit, anregende Gespräche, sinnvolle Aufgabenstellungen in der Gesellschaft und Freundschaften. Esoterik und Religiosität in welcher Form auch immer spielen eine erschreckend untergeordnete Rolle. Die Interessierten der heutigen Generation sind offenbar, zumindest nach dieser Umfrage, ganz pragmatisch und lebensnah orientiert.

Klar, wir können jetzt behaupten, dies alles hätte keine Aussagekraft und im Moment haben wir ja auch Zuwachs in den Logen.
Also was solls. Stört uns nicht, wir haben uns doch so schön gemütlich eingerichtet, Veränderungen bringen Unruhe und das wollen wir nicht.

Wir ärgern uns immer wieder über die katholische Kirche, die offensichtlich etwas gegen uns hat.
Hat sie das tatsächlich weil wir uns mit Gesellschaft beschäftigen?
Weil wir aufbegehren, wenn wir die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt nach der klaren Aufforderung im Ritual - wehret dem Unrecht wo es sich zeigt - im Fokus haben? 
Sicherlich nicht. Sie lehnt uns ab, weil wir uns mit Glaubens - ja wenn man es genau nimmt sogar mit Erlösungsfragen beschäftigen. Hier meine ich nicht die Obedienzen, die sich das Christliche auf die Fahnen geschrieben haben sondern die Humanitären bei denen ich mich zu Hause fühle, diese Gruppe von Freimaurern die von sich behaupten, wir haben keine religiösen Aspekte in unseren Ritualen man muss es nur richtig zu deuten wissen.

Mit dem „Große Baumeister aller Welten“  den wir wenn wir im TEMPEL mit aufgeschlagener BIBEL auf dem ALTAR um Hilfe in bestimmten Situationen bitten, ist kein Gott gemeint, es ist eine schöpferische Kraft vergleichbar z.B. mit der Gravitation. Jeder kann dies für sich deuten wir er will - Das ist unserer Beitrag zu Toleranz die dann natürlich auch ganz massiv eingefordert werden darf, wenn sich allzu kritische Stimmen melden.

Ich merke halt immer wieder, trotz immer mehr hoch kriechendem Widerspruch, liegt mir der Gedanke der Freimaurerei noch tief im Herzen - Vielleicht bin ich auch schon zu lange dabei oder bin ein unverbesserlicher Utopist.

Die humanitäre Freimaurerei von AFuAM definiert ein klares Ziel den "Tempel der Humanität" als Metapher für eine humane Gesellschaft und das tut sie in dem sie behauptet  "Wir arbeiten am Rauen Stein um den Tempel der Humanität zu bauen" und weiter an anderer Stelle "... der Steine derer wir bedürfen sind die Menschen".

Ja, dieser "Tempel der Humanität" der AFuAM ist fast ein Alleinstellungsmerkmal in der Freimaurerei - Ich finde, er definiert uns als humanitäre und in der Tradition der Aufklärung stehende Ausrichtung des Bundes. Wir sollten stolz darauf sein und ihm endlich den notwendigen Stellenwert (auch im Ritual) zuweisen.

Dies wird leider oft nicht so gesehen. Einige, vielleicht sogar viele Brüder, sehen im Rauen Stein das eigentliche Ziel. Dies ist aus meiner Sicht extrem problematisch denn Ziele muss man definieren. Für manche wird das durch den Kubus, dem perfekten Stein symbolisiert, was ich für absolut falsch empfinde. Denn Vielfältigkeit und ständige Anpassung an die Begebenheiten sind es was uns Menschen ausmacht, was uns überhaupt das Überleben im Kampf gegen die Natur und ihrer oft tödlichen Gefahren bis heute ermöglicht hat. 
 Tempel der Humanität

Wie sollen wir also definieren wie ein möglichst perfekter Mensch (Raue Stein/Kubus) auszusehen hat? Ich finde, das geht einfach nicht. Setzen wir allerdings als Ziel den Fokus auf den wie durch unsere Großloge vorgeschlagenen Tempel der Humanität als humane, lebenswerte Gesellschaft, dann wird ein Schuh draus. Wir können auch in den Logen täglich darum ringen, wie diese denn auszusehen hat. Das macht uns weiser und auch sicherer.
Ja, dieser Gedanke, diese Utopie wird jeden Einzelnen von uns formen ohne im vorschreiben zu wollen, wie er als möglichst perfekter Mensch auszusehen hat - Denn als hochsoziale, den Primaten entstammende Lebensform, wollen wir einfach dazu gehören und wir werden aus uns heraus daran arbeiten das es passt.

Ähnliches sehen wir, wie ich finde allerdings negativ besetzt, in unserem Bund. Der baut auf ein Gerüst auf was mehr als 300 Jahre alt ist, wurde durch viele Mysterien aus allen möglichen Mysterienbünden und Glaubensrichtungen  "verschönert" - Heute wo dies nicht mehr passt, wird rumgedeutelt auf Teufel komm raus. Von manchem Bruder verlangt man dadurch unmögliche Toleranz. Aber, die Meisten haben sich stillschweigend eingerichtet, weil sie einfach dazugehören wollen.

In der heutigen Gesellschaft macht sich sehr stark Unzufriedenheit breit, was sich auch in immer weniger Wahlbeteiligung äußert. In den letzten Jahren beobachte ich auch Hass gegen Politik und mögliche Kräfte die womöglich im Hintergrund wirken könnten. Verschwörungstheoretiker vermuten dann schnell, sie gestalten diese Welt für ihren Zweck, in ihrem Sinn und wir sind die Lämmer die dem zu folgen haben.

Doch was würde passieren, wenn morgen die gesamte Bundesregierung zurücktreten würde?
Wenn sie einfach sagen würden „Hier habt ihr euer Land – macht was draus

Wer von uns könnte sagen, wie wir uns eine humane, lebenswerte Gesellschaft auch für die Zukunft vorstellen können?

 Ich nicht! - but i have a dream!

Zum passenden Thread (Diskussion) in Facebook hier.



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