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Ist die Freimaurerei eine Religion - mit Auszügen aus der Meistererhebung AFuAM


(Beitrag vom 23.11.2011 korrigiert am 22.06.2017)


Entgegen der offiziellen Aussagen stellte sich für mich sehr früh die Frage - Ist die Freimaurerei eine Art Religion oder zumindest für etliche Brüder ein Religionsersatz?.

Nachdem ich versucht hatte, die unten genannten Thesen innerhalb des Bundes zur Diskussion zu stellen und wie fast zu erwarten, kaum auf Resonanz gestossen bin, habe ich mich entschlossen, diesen Artikel auch öffentlich zu machen.


Jedem Suchenden, der sich für unseren Bund und speziell den A.F.u.A.M. interessiert wird erklärt, die Freimaurerei sei keine Religion bzw. Religionsersatz und ist rein weltlichen Charakters, was bis auf wenige Ausnahmen für die TA1 und die TA2 auch so gesehen werden kann.

Doch wie ist es nach etlichen Jahren aktiver Arbeit an dem Rauhen Stein bei der Erhebung zum Meister mit der TA3 bestellt?

Ich möchte mir kein Urteil bilden, wie es um die Glaubwürdigkeit der nachfolgenden Zitate außerhalb der Freimaurerei bestellt ist, sondern betrachte sie nur für unserem, der Humantität und der Aufklärung verpflichteten Bund. Auch möchte ich nicht behaupten, daß alle unten genannten Zitate für mich in meinem profanen Leben keine Rolle spielen. Da ich auch nicht das ganze Ritual hier darstellen möchte (aus Rücksicht gegenüber der Befindlichkeit einzelner Brüder) hier nur zusammenhanglose Auszüge aus der Erhebung A.F.u.A.M. 1971 einmal ernst genommen und dokumentiert:

.......So nimm dieses Wort mit auf den Weg: nicht "werde und stirb", sondern "stirb und werde"!

.....Die Erde ist von den Gräbern derer bedeckt, die vor uns lebten. Nimm Abschied von allen falschen Hoffnungen und vertraue nicht dem Vergänglichen. ......

Heißt das etwa, daß wir uns keine Hoffnungen in das diesseitige Leben machen sollen und die Arbeit am Tempel der Humanität hoffnungslos ist?

Betrachte die Betonung der Reihenfolge im ersten Satz!
Nicht dem eigentlichen Leben zwischen "werde" und "stirb" wird die notwendige Bedeutung geschenkt sondern der Fokus wird klar auf eine mögliche Daseinsform nach dem "stirb" gesetzt. Für mich vollkommen konträr den freimaurerischen Zielen.

.......Wappne dich mit Mut.
Erhebe deine Seele zu jenen Höhen, von denen du getrost auf die Ungewißheit des irdischen Lebens herabschauen kannst. .........

Ist das ein Heilsversprechen? Ich möchte als Freimaurer arbeiten und in meine Welt herein wirken, um eine möglichst humane Welt (die auch Tiere, Natur und Umwelt einschließt) an meine Kinder zu hinterlassen. Damit sie auch eine Chance auf ein schönes Leben haben und sich entwickeln können - So wie es der Sinn des Lebens ist und nicht darauf vertrauen müssen, dass sie ein "besseres" Leben im Nirwana erlöst.

.....Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt nur kurze Zeit und ist voller Unruhe.
Er wächst wie eine Blume, verblüht, fällt ab und verschwindet wie ein Schatten. ....

Und alle seine mit vollem Herzen (auch als FM) vollbrachten Taten sind unnütz da er ja wie ein Schatten verschwindet als wenn er nie dagewesen wäre?

.....Aus dem Schoße der Erde kommen alle Geschöpfe, die einfachste Pflanze, wie auch der Mensch. Wenn das Leben erlischt, kehren sie heim in das Reich der Elemente.
Doch der Mensch ist nicht ausschließlich ein Geschöpf der Erde. Sein Geist entstammt einer anderen Welt......

Aus welcher Welt?

......Wie der mütterliche Schoß unseren Körper für das Leben bereitet, in das wir entlassen werden, sobald wir fähig sind, Atem zu schöpfen, also reift unser Geist während unserer irdischen Wanderung einer neuen Geburt entgegen.
Jener Tag, den die Menschen als ihren letzten fürchten, ist der Anbeginn eines höheren Lebens......

Dann lass uns doch auf dieser Welt so weitermachen wie bisher - Es kommt ja das höhere, bessere Leben - möchte ich hierzu sarkastisch sagen!

.......Forsche beständig nach den hinter dem Schleier der Vergänglichkeit verborgenen Quellen des ewigen Lebens.
Verliere nie die ruhige Gewißheit, daß du, abberufen dereinst aus dem Staub der Erde,
emporgehoben wirst in das Licht des Ewigen Ostens......

Vom Glauben an ein ewiges Leben war nie die Rede und "emporgehoben" deutet wieder an, daß das bessere Leben im "Licht des Ewigen Ostens" zu finden ist.

.....In den unermeßlichen Weiten des Universums wirkt  d e r schöpferische Geist, den die Menschen unter vielerlei Namen als Gott verehren. Der Geist des Menschen ist ein Teil dieses unendlichen Geistes.
Weil er also göttlichen Ursprungs ist, vermag er Überirdisches zu denken, folgt den Spuren ins Unendliche und entdeckt, wenn er die Kunst recht versteht, auch in seinem Innern Unvergängliches und Göttliches......

Nach meiner Ansicht und in diesem Kontext ( Schöpferischer Geist, so es den denn wirklich gibt) wären auch die Pflanzen, die Erde, die Tiere etc  göttlichen Ursprungs - Warum können die nicht "Überirdisch" denken - Oder doch?

Hier kommt doch klar die besondere Hervorhebung des Menschen als Krone der Schöpfung unserer abendländischen Religion zum Ausdruck - Leider benehmen wir uns auch so auf dieser Erde. Immer nach dem mir noch bekannten Spruch aus dem Religionsunterricht "Macht Euch die Erde untertan". Dies abzuändern war für mich u.A. bisher die Aufgabe einer aufklärerischen, humanitären Maurerei und nicht, diese oder ähnliche Lehrsätze in ihren Ritualen zu bekräftigen.

Was ist eigentlich, wenn die "Götter" durchaus natürlichen und uns weit überlegenen Ursprungs sind?
Soll man sie verehren, ohne deren Gründe für ihren "Schöpfungsakt" zu kennen?
Nicht, dass sie jetzt meinen, es wäre nur eine ganz kleine Minderheit der Menschen, die solche Möglichkeiten in Betracht ziehen. Vergleicht man die alten Überlieferungen (incl. der Bibel) liegen diese Thesen nicht gerade im Bereich des Unwahrscheinlichen.

Und ist nun der GBaW doch das, was viele Menschen unter vielerlei Namen als Gott verehren - warum können wir ihn dann nicht auch so nennen? Und welcher Gott ist dann gemeint? Es gibt einen großen Unterschied zu den Göttern. Z.B. stellt die christliche Religion den Menschen in den absoluten Mittelpunkt (Nach Gottes Ebenbild) unsere Vorfahren vor der Zwangschristianisierung im tiefsten Mittelalter haben eher die Natur und das Leben in den Mittelpunkt gestellt.


Aus dem Gelöbnis:

Ich gelobe ...... an mein vergängliches Leben fortan den Maßstab des Ewigen anzulegen.....


Nein, Nein, Nein..... sondern den Maßstab des Lebens! – Denn sonst können wir den Tempel der Humanität gleich einstampfen!


Resümee:

Wer für mich nach dem Studium dieser Texte immer noch behauptet, die Freimaurerei sei keine Religion bzw. Religionsersatz irrt sich definitiv!

Ich finde, teilweise stehen die Zitate sogar vollkommen konträr zur Notwendigkeit, den "Tempel der Humanität" zu bauen. Kann das etwa auch ein Grund dafür sein, dass ich seit geraumer Zeit das Gefühl habe, in unserem Bund stimmt was nicht, wir haben unsere eigentliches Ziel nicht mehr vor Augen? Und kommt es daher, dass sich viele unter uns eigentlich nur um sich selbst drehen und oft auch nur nach "hohen Würden" und Ämtern streben?

Ich möchte, dass diese Texte aus unseren Ritualen entfernt werden und unsere A.F.u.A.M.-Maurerei wirklich eine humanitäre, der Aufklärung und dem Leben verpflichtete Maurerei wird. Die Logen müssen ein Ort des Wissens und des Austausches werden, die Zeit der Geheimnisse ist im Zeitalter des Internets vorbei. Besser wäre es natürlich, die gesamte TA3 in eine verständliche  Arbeit, die sich mit dem Tempel der Humanität beschäftigt, auszutauschen.

Wichtig wäre sicherlich auch, einige Bezeichnungen wieder in den ursprünglichen Stand zurückzuführen.
Es ist mir z.B. nicht erklärlich, warum wir uns zu unserer Arbeit in einem "Tempel" versammeln obwohl es doch die "Bauhütte" ist. Weiterhin ist mir auch nicht klar, warum in dieser Bauhütte ein "Altar" steht obwohl da eigentlich der Begriff "Reißbrett" hingehört.

Besonders prekär ist hier noch, dass man unter falschen Voraussetzungen in unseren Bund aufgenommen wird und erst nach vielen Jahren (bei mir ca. 10) erkennt, welche Worte innerhalb des Rituals ohne Filterung und Deutungsmöglichkeiten des Verstandes direkt auf das Bewusstsein wirken. DAS WILL ICH NICHT!

Wenn ich nun beispielsweise ein Anhänger einer bestimmten Art des Schamanismus wäre, dürfte ich dann kein A.F.u.A.M.-Freimaurer sein?

Ich könnte durchaus bei der Aufnahme auf die Frage nach Bekenntnis eines Obersten Prinzips mit "Ja" antworten. Doch mein "Gott" wenn man sie überhaupt so nennen dürfte, wäre die Mutter Erde. Den Kosmos würde ich sehr wahrscheinlich nicht kennen auch keine Dogmen oder schriftlichen Überlieferungen.
Auch würde der Mensch nicht im Mittelpunkt stehen sondern Mutter Erde und die Natur zu der auch die Menschen gehören. Die Seelen in der schamanischen "Anderswelt" würden höchstens um Rat gefragt und diese Anderswelt würde nicht als Erlösung nach dem vergänglichen Leben auf unserer Welt empfunden.

Das Leben mit all seinen Erfahrungen ist das höchste Gut was wir besitzen und nicht ein möglicher Seinszustand nach unserem Tod . Auch die Natur und diese Erde, die unser Leben erst ermöglichen sollten im Mittelpunkt unserer Freimaurerei stehen. Wenn wir das schaffen, ist es sicher auch kein Problem, wenn wir dann nach unserem Tod erkennen sollten, dass die Seele unsterblich ist - Es wäre höchstens eine angenehme Überraschung. Selbst der für mache Menschen notwendige Gott wäre nach dieser Erfahrung kein Problem, denn wir hätte uns sicher gut verhalten in dem wir das Leben achten. Seit über 200.000 Jahren haben die Menschen verschiedene Arten von Religion gehabt, dies führte aber nur dazu, dass in höchstens sehr kleinen Zeitfenstern ein glückliches Leben für unsere Vorfahren möglich war. Der weitaus größte Teil war von Tod, Krieg, Verfolgung und anderen negativen Erfahrungen beherrscht. Wir haben gelernt, dies zu akzeptieren denn nach diesem vergänglichen Leben kommt ja der höhere und unendliche Seinszustand - glaubten wir! Auch heute, als aufgeklärte Menschen benehmen wir uns auf dieser Erde als wenn es egal wäre, was wir hinterlassen. Einem Huhn z.B. steht laut Gesetz die Fläche eine DIN A4 Blattes für sein gesamtes von 20 auf 1.5 Jahren verkürztes Leben zu - ehe es im Kochtopf landet.

Wenn wir an unsere Seele glauben und der einzelne Bruder unter uns eine bestimmte Religion, meinetwegen auch in einer bestimmten Kirche für sein Seelenheil benötigt, will und kann ich das nicht beurteilen. Es ist und bleibt seine persönliche Entscheidung und Erfahrung - aber bitte, vergleichbar mit Parteipolitik außerhalb der Maurerei.

Ich hoffe, einer meiner Brüder, der die Freimaurerei besser versteht als ich, hat hierfür nachvollziehbare Antworten für mich!

Bevor ich Freimaurer wurde, habe ich als Suchender gehört, die Freimaurerei sei keine Religion bzw. Religionsersatz, was bis auf wenige Ausnahmen in der TA1 bis TA2 auch so von mir gesehen werden konnte.

Auch auf meine Nachfrage, was denn dann der GBaW bedeutet, hieß es, da kannst du dir jede schöpferische Kraft vorstellen - meinetwegen auch die Gravitation.

Auch als ich dann nach meiner Aufnahme die Bibel auf dem "Altar" im "Tempel" entdeckte, wurde auf meine Nachfrage geantwortet: Die Bibel darfst du nur als Symbol betrachten sie steht einfach für ein oberstes Gesetz / Prinzip.

Dann kommt nach etlichen Jahren aktiver Arbeit an dem Rauhen Stein die TA3  und mein FM-Weltbild an eine humanitäre Freimaurerei bricht zusammen. Ist das Fair?

Ist das etwa auch der wirkliche Grund, warum in den "unteren" Graden ein Geheimnis um den Inhalt der "oberen" Grade gemacht wird?


Wenn du dann damit nicht einverstanden bist, heißt es - Da musst du eben den Bund verlassen.

Da passt dann wieder:

.....Nimm Abschied von allen falschen Hoffnungen und vertraue nicht dem Vergänglichen. ......


weiterführende Anmerkungen sie auch hier


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