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Die Forderung nach Toleranz – Für Religionen


(Beitrag vom 16.02.2013 korrigiert am 09.06.2015)

AUFSCHREI eines humanistisch denkenden Menschen ohne Religionsbindung der sich dagegen verwehrt, dass seine Werte immer wieder durch die christlichen Religionen vereinnahmt werden!


Toleranz, ja das fordern unsere gläubigen Mitmenschen von uns und das mit Nachdruck. Und Recht haben sie, aber nur solange, wie sie selbst auch Toleranz ausüben gegen diejenigen, die einen anderen Glauben oder sogar gar keinen haben.


Als Kind wurde ich evangelisch getauft und durch Religionsunterricht, der in meiner Zeit noch Pflichtfach war, auf das Leben als gläubiger Christ vorbereitet. Während meines Konfirmandenunterrichts stellte ich dem Pfarrer Fragen nach Unschlüssigkeiten, die ich in der Lehre glaubte erkannt zu haben, seine Antworten und die viel zu oft „Es gehört nicht zum aktuellen Thema“ oder so ähnlich. Er gab meist keine Antworten. Das Programm wurde einfach durchgespult.

Nach der Konfirmation war der Spuk für mich vorbei. Ich trennte mich von dieser Kirche und zeigte danach noch fast 50 Jahre meines Lebens Toleranz für meine gläubigen Mitmenschen und ihren Kirchen. Bis zu dem Tag im letzten Jahr, als ich auf die Beschneidungsdebatte aufmerksam wurde. Fragte man nach, warum dieser alte Brauch notwendigerweise im 21. Jahrhundert weiterhin an kleinen Jungen durchgeführt werden musste, schlägt einem schnell Hass entgegen, man wird quasi innerhalb Sekunden zum Antisemit abgestempelt. Der Bundestag musste schnell ein Gesetz verabschieden, viel schneller, als jedes andere Sozialgesetz, was sicher auch nötig gewesen wäre, angetrieben auch durch unsere christlichen Kirchen, die diesen archaischen Brauch gar nicht praktizieren. Sie hatten einfach Angst, es würde nachgefragt z.B. nach den immensen Kosten für einen Altenpflegeplatz in den kirchlichen Einrichtungen, oder den fehlenden Arbeitnehmerrechten bei Caritas und Diakonie, oder den Ergebnissen der Missbrauchsuntersuchungen. Angst nach Aufdeckung und Veränderung schweißt sie plötzlich zusammen.

Auch die Aussage unseres zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff „Der Islam gehört zu Deutschland“ sie hat mich erzürnt, aber da gibt es doch die Toleranz…..  Als wenn eine Religion in einem säkularisierten, modernen Staat dazugehören könnte. Das gilt natürlich auch für die christlichen Religionen. Heute bin ich Atheist und noch nie hat einer dieser Offiziellen gesagt, die Atheisten gehören zu Deutschland.

Und die stetigen Wiederholungen aus Politik und anderen Bereichen „Wir haben eine christliche Leitkultur“ oder „Wir leben hier in Europa nach dem christlichen Wertesystem“  als Nichtchrist hat man das zu tolerieren es ist ja eine Religion und die ist besonders geschützt, durch unser Grundgesetz.

Auch habe ich von den Volksvertretern noch nie gehört, dass unsere Kultur im Wesentlichen durch die Aufklärung geprägt wurde und zwar im Widerstand gegen die Kirchen. Mühsam wurden dem Klerus die einfachsten Menschenrechte abgerungen - Das ist unsere Leitkultur.
Die kirchlichen Arbeitnehmer kämpfen heute noch um die für alle Anderen gültigen Rechte ihr Leben nach ihrer Philosophie und ihrer Weltanschauung aufzubauen ohne gleich ihrer Lebensgrundlage, ihrem Arbeitsplatz beraubt zu werden.

Diesen Filz aus Politik, den Medien und den Kirchen, selbst im Ethikrat bestimmen die Kirchenvertreter mit. Als wenn Ethik ein Alleinstellungsmerkmal der Kirchen wäre.

Wem wundert es, dass man dann mit über 60 Jahren langsam anfängt, aufzubegehren und nachzufragen was nun die christlichen Werte sein. Sie müssten ja ein Alleinstellungsmerkmal haben sonst wären sie nicht christlich sondern einfach nur menschlich, humanistisch sozusagen. Und wieder keine Antwort, wie bei meinem, sicher längst verstorbenen Pfarrer und den Vorwurf der Missionierung sowie andere unterschwängliche Anspielungen hat man natürlich auch gleich auszuhalten.

  • Warum können die Gläubigen ihren Glauben nicht einfach in ihrer Kirche und in aller Stille leben?
  • Warum müssen sie immer von sich behaupten, dass sie die Leitkultur in unserem Lande sind und dass sie nach christlichen Werten leben, die keine christlichen sondern vielleicht auch meine Werte sind?
  • Warum müssen sie sich in unseren Staat, der doch für alle eine Heimat ist, immer wieder einmischen?

Das empfinde ich als Missionierung und zeugt auch von wenig Toleranz gegenüber einer großen Mehrheit in unserem Land die ihr Lebensphilosophie nicht auf Glauben sondern auf das bisher bekannte Wissen aufgebaut haben und dummerweise immer wieder Fragen stellen müssen, weil es zu ihrem Leben dazugehört.

Passend hierzu:

Der Global Peace Index ist der Versuch, die Friedfertigkeit von Nationen und Regionen anhand eines relativen Vergleiches darzustellen.
Erstellt und herausgegeben wird er durch ein Internationales Gremium bestehend aus Friedensexperten, Friedensinstituten, Expertenkommissionen und dem Zentrum für Frieden und Konfliktstudien der Universität Sydney.

Zum passenden Thread (Diskussion) in Facebook hier.

http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Peace_Index



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