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Die Durchgängigkeit der drei Grade in der blauen Johannisfreimaurerei - 2013.


(Beitrag vom 23.10.2012 korrigiert am 23.12.2017)

Die Durchgängigkeit der drei Grade in der blauen Johannisfreimaurerei als Grundstock unseres Lehrgebäudes.
(Überarbeitet im Mai.2013)

Liebe Brüder,
mir ist klar, heute werde ich dem einen oder anderen unter euch mit meinen Gedanken einiges abverlangen. Aber wodurch soll sich der Freimaurer im Leben vor anderen Menschen auszeichnen? - Durch winkelrechte Lebensführung, von der Sklaverei der Vorurteile befreite Gedanken und echte Freundschaft zu seinen Brüdern.

Einleitend zu meinem Vortrag gebe ich euch noch die Worte des in dieser Hinsicht sicher unverdächtigen Dalai Lama mit.

Wir leben nicht um zu Glauben sondern wir leben um zu lernen“.



Der Großteil der freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter der Aufklärung. Diese Werte wurden als die fünf Grundpfeiler der Freimaurerei bezeichnet: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (ich deute das eher als Menschlichkeit), Toleranz und Humanität.

Aufklärung steht im alltäglichen Sprachgebrauch für das Bestreben, durch den Erwerb neuen Wissens Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten und Irrtümer zu beheben.

Immanuel Kant schreibt hierzu „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. 

Prof. Dorinda Outram schreibt in ihrem Buch „The Enlightenment“ (Die Aufklärung) von 1997  folgendes: „Aufklärung war der Wunsch danach, dass menschliche Angelegenheiten von der Vernunft geleitet werden, anstatt durch Religion, Aberglauben oder Offenbarung; und der Glaube an die Kraft der menschlichen Vernunft die Gesellschaft zu verändern und das Individuum von den Fesseln der Tradition oder der willkürlichen Autorität zu befreien. All dies gestützt durch eine Weltanschauung, die zunehmend durch die Wissenschaft anstatt durch Religion oder Tradition validiert wird. 

Nun leben wir im 21. Jahrhundert rund 300 Jahren nach der freimaurerischen Definition dieser Grundwerte und müssen erkennen, dass sich die meisten dieser Werte längst in unserer Gesellschaft zumindest vom Anspruch her etabliert haben. Was können wir also tun, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken?

Manche von euch werden nun sagen, Wie kommst du auf Bedeutungslosigkeit wenn wir doch gerade jetzt einen relativ hohen Zuwachs an jungen Brüdern haben. Teilweise stimmt das, aber alle Zugänge der letzten Jahre ersetzen nicht einmal die natürlichen Abgänge. Dies gilt auch deutschlandweit denn das Ziel 10.000+,  vor einigen Jahren erklärt, ist längst nicht erreicht. Und wer kennt sie nicht, die jungen anfangs sehr engagierten Freimaurer, die sich bereits nach wenigen Jahren sehr rar machen. Wer interessiert sich dafür, was sie nötigt, zumindest innerlich zu decken?

Selbst von der Diskrepanz aus Anspruch und Wirklichkeit unseres Bundes frustriert, besuchte ich in 2012 das Treffen der Quatuor Coronati (Der Forschungsloge) und war überrascht, dass von den fast 60 Teilnehmern bis auf ein paar Wenige alle eine Reform unseres Bundes und eine Neubestimmung unserer Werte fordern. Selbst die Inhalte der Rituale, zumindest was die religiösen Aspekte betrifft, wurden in Frage gestellt. Dies hat mir wieder ein wenig Mut gemacht.

Auf der Webseite der Grossloge A.F.u.A.M. stand seit ca. 10 Jahren folgender, leider mit der Erneuerung der Webseite gestrichener Text :

"Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist mit ihren bald 10.000 Mitgliedern und 260 Logen die bedeutendste deutsche Großloge. Sie steht in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung".

Somit stellt A.F.u.A.M. den rein humanitären, sich der Aufklärung und dem Humanismus verpflichteten Zweig der Freimaurerei dar!
Hierzu gehören für mich keine mystifizierenden oder religiösen Symbole oder gar bestimmten Religionen zuzuordnenden Handlungen. Denn auch Glaube an Mysterien ist ein Glaube und wird sehr schnell zu einer Art Ersatzreligion.

Das Ziel der Freimaurerei liegt darin, nach den Werten des Humanismus im Alltag zu leben und auf Basis dieser Grundsätzen zu versuchen, den "Tempel der Humanität" (als Metapher für eine humane Gesellschaft)  zu bauen.

Doch wo liegen nun die Werte des Humanismus? Einige glauben, was auch gerade durch die Politik in der letzten Zeit mehrfach geäußert, diese Werte kommen aus den „Christlichen Werten“ oder gar der „Christlichen Leitkultur“ Mitteleuropas.

Es ist allerdings eine Illusion, dass die Werte, zu denen sich die Mehrheit in der modernen europäischen Gesellschaft bekennt wie z.B. die Menschenrechte, Gerechtigkeit, Unantastbarkeit der Menschenwürde sowie die Denk- und Redefreiheit christliche Werte seien. Ganz im Gegenteil, es sind Werte, die den damals herrschenden christlichen Orthodoxen teilweise auch unter Lebensgefahr mühsam abgerungen werden mussten und zwar durch die Aufklärung, zu deren Triebfeder wir unseren Bund des frühen 18. Jahrhunderts durchaus zählen können.

Die Menschen sollten über ihre politische, soziale und geistige Unterdrückung "aufgeklärt" werden. Wüssten sie erst um die Ursachen dieser Unterdrückung, halte man ihnen die richtigen Ziele vor Augen, dann würden sie es einsehen und sich selbst befreien. Dabei ging die Aufklärung von der Annahme aus, dass der Mensch von Natur aus gut sei und man ihm das Richtige nur zeigen müsse, damit er es tut. Die Erziehung des Einzelnen galt als erster Schritt zu einer Veränderung der Gesellschaft; die aufgeklärten Menschen würden schließlich eine aufgeklärte Welt schaffen.

Hieraus sind dann die Werte der „kulturellen Moderne“ entstanden, die sich durch folgende Definitionen von den noch heute gültigen Werten der „christlichen Kultur“ unterscheiden:

  • Vorrang der Vernunft und der Menschenrechte vor religiöser Offenbarung
  • Vorrang der durch die Menschenrechte und auch des Grundgesetzes verbrieften Unversehrtheit des Körpers vor archaischen religiösen Riten.
  • Einen vollkommen säkularisierten Staat mit einer Demokratie, die auf der Trennung von Religion und Politik basiert. Leider sind wir in unserem Land noch weit davon entfernt.
  • Pluralismus, womit die Koexistenz von verschiedenen Interessen und Lebensstilen in einer Gesellschaft gemeint ist (in diesem Beispiel z.B. homosexuelle Partnerschaften).
  • Absolute Gleichstellung von Mann und Frau

Auch bedeutet Humanismus nicht, dass dessen Werte fest vorgeschrieben seien. Sie müssen von jedem Einzelnen immer wieder neu überdacht werden, dazu hilft uns unsere Arbeit, der dann auch in unserem freimaurerischen Sinn eine ganz andere, besondere Bedeutung zugesprochen werden kann. Sie definiert die Art des Schaffens, nach der unsere Welt verändert werden könnte. Dies geschieht natürlich nicht durch Beten und abwartende Demut gegenüber einem jenseitigen Wesen sondern durch den Einsatz der gestalterischen Fähigkeiten des Menschen, den Bau des Tempels der Humanität voran zu treiben. Auch der Glaube an eine Unsterblichkeit der individualisierten Seele ist hier sicher nicht hilfreich. Für das Überleben der Menschheit, ja wahrscheinlich des gesamten Lebens auf unseren Planeten ist es unabdingbar, dass der Mensch begreift - wir haben nur dieses eine Leben. Wir dürfen unsere Hoffnung nur auf dieses Leben richten, darauf, dass wir unseren Stein so geformt haben, dass er einen festen und wichtigen Platz in diesem fiktiven Tempel der Humanität einnehmen kann.

Bei der Aufnahme in den Bund wird man gefragt, ob man an eine höhere, schöpferische Kraft glaubt.
Bei meiner Aufnahme hatte ich mit dieser Frage keine Probleme und habe sie mit „Ja“ beantwortet obwohl ich im Rückblick auf die damalige Situation und da ich mich damals mehr als Agnostiker gesehen habe, eher mit „Vielleicht“ hätte antworten müssen. Nach etwa 11 Jahren Freimaurerei würde ich diese Frage mit „Nein“ beantworten denn meine Arbeit an dem „Rauhen Stein“ und dem bewussten „Schau um Dich“ führten mich genau zu diesen Erkenntnissen.

Selbst wenn man diese Frage eindeutig mit "ja" beantworten kann, heißt es lange noch nicht, dass man damit (oder mit religiösen Symbolen) immer wieder konfrontiert werden möchte. Dies hat nur etwas im privaten Bereich eines jeden Einzelnen zu suchen. Genauso wenig, wie in der Freimaurerei für eine bestimmte politische Partei Werbung gemacht werden darf, darf Werbung für eine bestimmte Religion getätigt werden.

Auch die „Vereinigten Grosslogen von Deutschland“ haben für mich etwas Befremdendes bekommen. Alle Grosslogen, die sich da aus Gründen der Anerkennung durch England zusammengeschlossen haben bezeichnen sich als Bruderschaft der Freimaurer. 

Hierzu gehört z.B. auch der Freimaurerorden, der sich ein Grundgesetz gegeben hat was sich vollkommen konträr zu meinem Weltbild und auch meinem freimaurerischen Verständnis verhält.

So heißt es hier u.A.:

Wer in den Orden aufgenommen werden wünscht, muss sich zur alleinigen Lehre Jesus Christus bekennen, wie sie in der heiligen Schrift enthalten ist“.

Für mich ist diese Aussage nicht tragbar und es stellt sich somit dann auch die Frage, wo ich dann meinen Platz in dieser Bruderschaft der Freimaurer finden kann. Dies gilt dann natürlich genauso für muslimische, buddhistische, jüdische oder atheistische Brüder. Hier entlarvt sich die konstitutionelle Freimaurerei.

Die humanitäre Freimaurerei nach meinem Sinn will Menschen bilden und um menschlich zu werden, bedarf es ausschließlich der Menschlichkeit. Alles Übernatürliche, Mystische oder gar Göttliche lenkt von dieser Aufgabe ab.

Auch heißt es in der Verfassung der Grossloge von A.F.u.A.M.:

Die Freimaurer sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken von Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten.

Wenn ich mich in unserer Welt umschaue, sehe ich leider nicht viel von der göttlichen Weisheit. Auch im Universum, hier gibt es Unmengen von  Sonnensystemen, die in Milliarden von Jahren kein Leben hervorbringen werden. Sonnen, die von lebensfeindlichen Gasriesen oder mehrere hundert Grad heißen oder kalten Gesteinsplaneten umkreist werden. Oder diese Galaxien, die aufeinander prallen wie es unserer Milchstrasse mit der Andromeda-Galaxie in ein paar Milliarden Jahren ebenso droht. Oder diese Pulsare (schnell rotierende Neutronensterne), die im Umkreis von Lichtjahren alles Leben auslöschen oder verhindern, dass überhaupt welches entsteht.  Im Universum herrscht Chaos und Vernichtung. Chaotische Verhältnisse, die in unvorstellbaren Zeitspannen durch Wirkung der physikalischen Gesetzmäßigkeiten wie Gravitation leicht und meist nur vorübergehend gebändigt werden. Neben Zerstörung gibt es auch Geburt, Geburt von neuen Sternen und auch Leben. Planvoll ist das aber sicher nicht. Das Leben entwickelt und vergeht im mörderischen Wettkampf gegeneinander und oft auch gegen die Naturgewalten.

Wo finde ich da das göttliche Wirken von Weisheit, Stärke und Schönheit?

Die einzige Wirkung, die ich erkenne, ist die Wirkung eines durch den möglicherweise aus sich selbst geborenen Urknalls entstandenen Evolutionsprozesses, der sich des Zufalls, einer schier unglaublichen Masse und für unser Verständnis fast unendlich viel Zeit bedient. Dieser Evolutionsprozess, den ich gern in drei, manchmal selbstständig voneinander fortlaufenden Stufen unterteilen möchte, besteht aus den Evolutionsprozessen der Materie, des Lebens und des Geistes. Wir befinden uns im ersten Augenblick der Stufe der Entwicklung des Geistes und sollten unsere Aufgabe auch darin sehen, den in der Zukunft sicheren Untergang des Lebens auf unserem Planeten entgegen zu wirken. Mit anderen Worten „Dem göttlichen Wirken von Weisheit, Stärke und Schönheit“ den Kampf anzusagen.

Wenn wir wollen, dass die Freimaurerei ihrem eigentlichen Ziel (Dem Bau des "Tempels der Humanität") gerecht werden will, müssen wir aus dem Schlaf der Mystifizierung aufwachen. Wir müssen uns mit den Realitäten befassen. Will man einen symbolischen Tempel bauen, muss man den Bau verstehen lernen, man muss die Gesetzmäßigkeiten, die da wirken genau ergründen. Mit anderen Worten, wir müssen lernen unsere Gesellschaft zu verstehen. Oder man sagt sich ganz offiziell von dem Ziel eine humane Gesellschaft bauen zu wollen los.

Zu den einzelnen Arbeiten:

Die Klare Aufgabe des Freimaurers:

"Arbeit an dem Rauhen Stein um den Tempel der Humanität zu bauen. "

Hiermit ist das Ziel klar definiert: Bauen einer Gesellschaft nach humanitären, humanistischen Vorbild und zumindest für A.F.u.A.M. immer im Sinne der Aufklärung.

Dem gegenüber steht allerdings, dass in den Logen eine Bibel, die jeweils beim ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums aufgeschlagen ist, aufgelegt wird. Die einen sagen, dies sei wegen der Lichtsymbolik, die andern, weil darin Johannes der Täufer als Vorläufer von Jesus genannt wird. Ich selbst sehe da gar keinen Sinn und meine somit - diese Schrift gehört nicht zu einer freimaurerischen Arbeit.

Der Austausch dieses „heiligen Buches“ gegen die Menschenrechte der Vereinten Nationen könnte sehr hilfreich sein und wer denen nicht zustimmen kann, kann eben kein Freimaurer sein - und dies ohne religiöse und politische Vorurteile. Die Bibel und auch andere "Heilige Schriften" bieten zu viel Raum für Deutungen im eigenen Sinn. Sie haben, wie die daraus resultierenden Religionen eher etwas Trennendes und nichts Verbindendes. Auch diese meist nicht klar definierten Mysterien und Symbole, die jeder nach Belieben deuten kann und darf. Die verschiedenen Hochgradsysteme mit Lehrarten, die nur den eigentlichen Mitwirkenden bekannt sind - Alles ist erlaubt im Zeichen der falsch verstandenen Toleranz. Man wahrt die Contenance obwohl manchmal der Hass und die Wut gegenüber anders denkenden Brüdern deutlich zu spüren ist. Ja man ist sogar stolz darauf, auf die Vielfalt die die eigentlichen Ziele des Bruderbundes nicht mehr erkennen lässt. Ja, ich finde, ein Bruderbund braucht gemeinsame Ziele und einen gemeinsamen Weg. Selbst die bei jedem Gästeabend hoch beschworene „Streitkultur“ die eigentlich keine ist mit diesen manchmal ellenlangen Redelisten, sie lässt keine Diskussion zu und am Schluss hat man gar vergessen, was man sagen wollte.

Entgegen vieler unterschiedlichster Deutungen für die einzelnen Stufen des symbolischen Steins sehe ich folgende als sinnvoll für A.F.u.A.M. an:


Zum Lehrlingsgrad

Im Lehrlingsgrad liegt dafür als Symbol ein "Unbehauener Stein" oft auch als "Rauher Stein" bezeichnet, der kaum für den Bau eines Gebäudes geeignet ist. Um diesen "Stein" zu formen, bekommt der Lehrling symbolisch einen Spitzhammer mit auf seinen Weg. Der „Unbehauene Stein“ weist den Lehrling auf seinen möglicherweise jetzigen Stand hin und zeigt ihm die klare Aufgabe für die Arbeit als Lehrling einer Freimaurerloge.

Der Lehrspruch „Schau in Dich“ weist den Lehrling an, die Weisheit und Stärke in sich selbst zu ergründen. 

Zum Gesellengrad

Nach der Arbeit im Lehrlingsgrad hat sich der "Stein" geformt und ist hoffentlich zu einem "Behauenen Stein" (allgemeiner Sprachgebrauch) geworden, den man nun am Anfang des Gesellengrades wieder finden sollte. Da dieser Stein irgendwie in den symbolischen Bau einzufügen ist, bekommt der Geselle symbolisch eine Kelle für seinen weiteren Weg in die Hand. Damit kann er die Unebenheiten des Steins mit "Mörtel" als Metapher für Menschenliebe  ausgleichen und versuchen, ihn irgendwie in das symbolische Gebäude einzufügen.

In der offiziellen Beschreibung dieser Arbeit finden wir allerdingseinen "Kubischen Stein", der von seiner Definition her absolut plan undwürfelförmig ist. Wozu braucht der Geselle dann seine Kelle? Und istGleichförmigkeit wirklich gewünscht? Auch lässt sich mit nur "KubischenSteinen" kaum ein Gebäude errichten. Dies scheint mir auch der Grund,warum im allgemeinen Sprachgebrauch von der offiziellen Beschreibungabgewichen wird.

Es wird behauptet, dass der kubische Stein als Metapher für dieVollkommenheit gesehen werden soll. Doch was sucht er dann am Anfang des Gesellengrades?
Logisch und in der Analogie des „Unbehauenen Steins“ des Lehrlingsgrades betrachtet, kann hier nur ein „Behauener Stein“ als Ergebnis der Lehrjahre liegen.

Laut dem Buch des Br. Jan Snoek, Professor am Institut fürReligionswissenschaft der Universität Heidelberg ist der Kubische Steinerst später eingeführt worden um dem Stein die Bedeutung des „Stein derWeisen“ zu geben und damit auf Christus hinzuweisen, der Symbol füreinen besseren Menschen war – Christus als ideales Menschenbild. Dementspricht dann auch die Weiterführung im 18.Grad des AASR, demRosenkreuzergrad in dem der Kubus entfaltet und zu einem Kreuz mitaufgelegter Rose wird.
 

Die Anderen, von den "Mystikern" in der Freimaurerei dargestellten Interpretationen zum "Kubischen Stein" versteht kaum ein Bruder.

Auch ein wesentliches Symbol (das mit den Stäben) wird leider immer wieder vergessen. Fast automatisch hört man von Brüdern. "Die Freimaurerei gibt es nicht - jeder Bruder kann sie so sehen, wie er will" oder "Außen wirken kannst du nur allein und nicht wir gemeinsam".  Der Fokus wird von den meisten Brüdern grundsätzlich auf das Individuum gelenkt, was allerdings dann der Sinnhaftigkeit des genannten Symbols widerspricht.

Der Lehrspruch „Schau um Dich“ macht den Gesellen darauf Aufmerksam, dass er die Welt um sich herum genau beobachten soll.


Zum Meistergrad

Nun kommt es m.E. zu einem wirklich eklatanten symbolischen Bruch. Im Meistergrad findet sich kein Stein mehr. – Wo ist denn jetzt der Stein zu finden, mit dem der Tempel der Humanität gebaut werden soll? Auch hat der Geselle seinen Stein weiter zu bearbeiten damit er einen bedeutenden und tragenden Platz im symbolischen Bau auffüllen kann.

Gerade die Meisterarbeit führt uns die Unstimmigkeit zwischen Anspruch und Realität vor Augen. Sie ist geradezu eine Aufforderung, sich den sogenannten "Hochgraden" zuzuwenden um endlich die Auflösung zu finden, anstatt sich der eigentlichen Aufgabe des Freimaurermeisters zu widmen.
 
Die besteht darin, an das "Reißbrett" zu gehen, den "Zirkel" in die Hand zu nehmen und zu versuchen, gemeinsam mit den Brüdern den "Tempel der Humanität" zu konstruieren, mit allen Fehlern und Irrtümern, die dabei auftreten. Dafür muss man sich eingehend mit dem "Tempel der Humanität" auseinander setzen und den Weg des ichbezogenen "Eigenen Steins" verlassen. Wenn der Meister allerdings merkt, dass die "Steine" noch nicht passen, begibt er sich zurück in den Lehrlings- oder Gesellengrad. Was sehr schön durch die Sitzordnung dargestellt wird.

Man könnte erwarten, dass in der Meisterarbeit der Tempel der Humanität im Mittelpunkt stehen würde. Weit gefehlt, lediglich mit einem einzigen Satz wird er am Rande des Rituals erwähnt. Auch die Werkzeuge des Meisters spielen keine Rolle in dem Ritual. Macht braucht einen jungen Meister nach seiner Erhebung nur mal nach seinen Werkzeugen zu fragen - Er wird die Frage kaum beantworten können, wenn er sich nicht vorher schon damit beschäftigt hat. Die Werkzeuge des Meisters deuten darauf hin, was seine Aufgabe in Zukunft ist (wird leider in unseren Kreisen gern geleugnet) - Es sind die Werkzeuge eines Architekten und zwar des Baumeisters, der sich mit in unserem Fall symbolischen Bau  eingehend beschäftigen muss denn anders ist dieser symbolische Bau in Form einer humanen Gesellschaft gar nicht machbar.

Das Ritual beschäftigt sich mit dem Tod und der Auferstehung. Ursprünglich sicher in der Auferstehung Christi wie das noch 1972 gültige Ritual von A.F.u.A.M.deutlich zeigte. Heute sind diese übermäßig religiösen Texte zum großen Teil entfernt. Man hat das Ritual entschärft ohne ihm jedoch den ursprünglichen Sinn zu nehmen - Man hat ihn nur verschleiert. Gedeutet wird dieses Auferstehung heute mit dem Tod des alten Menschen und Auferstehung eines neuen, eines wahren Menschen, dem Emerek. Nach meiner Meinung ist ein Mensch immer ein wahrer und vollkommener Mensch, auch in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen, die er hoffentlich durchfährt. Somit ist diese Arbeit auch in dem abgeänderten Sinn vollkommen überflüssig.
 


Die jetzige Meisterarbeit hat vom Inhalt her auch wirklich nichts mit dem symbolischen Bau zu tun und sollte gegen eine passende Arbeit ausgetauscht werden.

Als Szenario ist für diese Arbeit ist denkbar:

1. Am Eingang des Tempels sollte ein Schlussstein ohne Werkzeug (Als erstes Bild für die Abschluss des ichbezogenen Seins) zu finden sein.

2. Eine große, frei schwebende, möglicherweise beleuchtete Erde über dem Arbeitsteppich. Hier würde dann auch besser der Lehrspruch "Schau auf dich" passen. Quasi als Aufforderung, den Ort und Wirken seines Werkes aus Distanz von oben zu betrachten einfach um sich klar zu machen, wie falsch und nicht zielführend die bisherige Ego-zentrierte Sichtweise auf die Welt ist - wenn man die Bedeutung der Gesamtheit verstanden hat.
Inspiriert wurde ich durch die Aussage des Mondfahrers Neil Armstrong der wohl als erster Mensch die Erde am Horizont aufgehen gesehen hat. Er sagte dazu das dieses Bild sein gesamtes Leben verändert hatte.

Die Grenzen verschwimmen, er (der Geselle) löst sich auf, verlässt seine bisherige EGO-Ausrichtung und wird Bestandteil des Ganzen. Es wird dem zukünftigen Meister klar, wie verletzlich dieser Organismus Erde, dieser Tempel, und wenn wir es schaffen, dieser Tempel der Humanität ist.

3. Auf der Reise das Thema "Tempel der Humanität". Hier steht unsere Erde als dieser wunderbare Organismus mit allen Bewohnern im Mittelpunkt. Wenn wir den Schutz dieses Planeten als unsere Aufgabe begreifen, wenn wir uns als Menschen unserer gemeinsamen Verantwortung bewusst werden, bindet das ungemein. Somit wären die 3 "Blauen Grade" eine schöne abgerundete Sache, die Aufgaben und das Ziel klar definiert - die "Hochgrade" wären in diesem Zweig der Maurerei überflüssig und keiner würde sie vermissen.

Die Begegnung mit dem Tod

Eine viel bessere, weil schlüssigere und emotionalere Auseinandersetzung mit dem Tod finden wir in der Trauerarbeit. Im Todesfall eines Freimaurers findet sich ein "Zerbrochener Stein" in der Trauerarbeit - Ein passendes Symbol.

Allgemeines

Von einigen meiner Brüder wurde gesagt, durch die Abschaffung der TA3 in der jetzigen Form würden sie die Transzendenzerfahrung vermissen.

Hier möchte ich ganz deutlich fragen:

Ist es Aufgabe der Freimaurerei mir eine mögliche Erklärung für ein mögliches Jenseits zu bieten oder ist es Aufgabe der Freimaurerei, das Diesseits zu verstehen und wenn möglich, zu helfen es nach unseren Vorstellungen von Humanismus, Toleranz und Aufgeklärtheit zu formen?

Erst einmal wage ich zu bezweifeln, das jemals ein Bruder unter dem mit meist stickigem Tuch verdeckte Gesicht mit dem Akazienzweig in der Hand eine Transzendenzerfahrung haben kann. Transzendenz und Erfahrung ist eigentlich sogar schon fast ein Widerspruch.

Hier werden aus bestimmten Richtungen der Freimaurerei Erwartungen gesetzt, die nicht erfüllbar sind und m.E. auch in der Freimaurerei nichts zu suchen haben. Entschuldigt bitte liebe Brüder, ich glaube, wir plappern da auch oft etwas nach, was wir in Wirklichkeit gar nicht verstehen und weil es so sein muss wie es uns seit hunderten von Jahren eingeredet wird, ist es eben einfach so.

Nichts desto Trotz habe ich mich mit dem Gedanken beschäftigt und versucht, Ansätze in den großen Religionen dieser Welt zu finden.

Gescheitert bin ich daran, dass in jeder Religion eine große Portion Glaube gefordert ist und Glaube zu vermitteln ist nicht Aufgabe der Freimaurerei. Eine Religion oder sollte ich besser Lebensphilosophie sagen, hat mich da besonders beschäftigt. Der Buddhismus mit seinem Glauben an die Wiedergeburt der Seele, wenn auch nicht in individualisierter Form.

Meiner Meinung nach machen wir Menschen immer wieder einen entscheidenden Fehler. Wir stellen uns, unsere Seele, unsere Bedürfnisse immer in den Mittelpunkt und verlieren damit oft den Blick für das Ganze. Die Ego-Zentrierung ist das große menschliche Problem (auch in der Freimaurerei, was wir an vielen dieser Selbstdarsteller erkennen können).

Das Alter unseres Universums wird auf  13,75 Milliarden Jahre geschätzt während unser Sonnensystem etwa 4,5 Milliarden Jahre alt sein soll.

Mangels chemischer Elemente müssen sich bei der Entstehung des Universums zuerst Sterne der ersten Generation gebildet haben, die zunächst nur aus Wasserstoff bestanden. Den Wasserstoff fusionierten die Sterne durch den gewaltigen Druck in ihrem Inneren zu Helium und je nach Ausgangsgröße und Masse entstanden in ihrem Kern, durch weitere Fusionsvorgänge schwerere Elemente, bis hin zum Eisen. Wie es auch heute noch zu beobachten ist, beenden Sterne nach einiger Zeit ihre Existenz durch gewaltige Explosionen die man Supernova nennt, und bei denen auch die restlichen chemischen Elemente entstehen. Dabei verteilen sich die durch die Fusion 'erbrüteten' Elemente wieder im Raum, und hier setzt die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems ein.

Unsere Sonne ist ein Stern der zweiten Generation die sich vor 4,5 Milliarden Jahren, aus einer Wolke aus Wasserstoff- und Heliumgas, durchsetzt vom Staub gestorbener älterer Sterne bildete. Unsere Sonne hat insgesamt eine Lebenserwartung von ca. 10 Milliarden Jahren. Danach wird sie sich zu einem so genannten Roten Riesen aufblähen und sämtliche Planeten in sich aufnehmen, bevor sie mit dem Ende der Kernfusion zum Weißen Zwerge abkühlt. In einigen Fällen "zündet" das Helium aber nochmals und verhilft dem Stern somit zu einer Wiedergeburt. Dabei wird das Helium zu Kohlenstoff umgewandelt, der als 2.000 Grad heißer Staub vom Stern "wegrast". In dieser Phase bildet sich auch ein zweiter Planetarischer Nebel aus dem dann ein neues Sonnensystem entstehen kann.

Das Leben auf unserem Planeten hatte bereits in der Vergangenheit ähnliche Zyklen zu erfahren. Oft wurde das anfängliche Leben womöglich auch schon erste Zivilisationen durch kosmische Katastrophen ausgelöscht. So wird es auch in der Zukunft immer wieder sein.

Die Frage, die sich dabei für mich ergibt, wozu unternimmt das Leben all diese Kraft um dann doch vernichtet zu werden?

Solange das Leben keine denkende, bewusste Spezies hervorbringen kann, also die dritte Stufe des Evolutionsprozesses - die Evolution des Geistes erreicht, wird es auch bis in alle Ewigkeit so bleiben. Doch genau mit dieser Spezies ist das Leben in der Lage, aus dem Rad der kosmischen Wiedergeburt auszubrechen indem diese Spezies versucht, den Heimatplaneten möglichst lange vor kosmischen Katastrophen zu schützen um genügend Zeit zu haben nach Möglichkeiten zu sinnen, den Planeten, das Sonnensystem und später auch die Milchstrasse verlassen zu können.

Wir Menschen haben die ersten zaghaften Stufen diese Entwicklungsschrittes erreicht. Wir sind Schöpfer und gleichzeitig auch Zerstörer auf unserem Planeten. Wir sind dafür verantwortlich, dass diese unvorstellbaren Kraftanstrengung die das Leben auf unserem Planeten auch wiederholt seit Millionen von Jahren bereits unternommen hat, nicht vergeblich war. Wir sind dafür verantwortlich, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse, die das Leben hier bereits gemacht hat, nicht zu Sternenstaub verglühen – sich in Nichts auflösen. Wenn wir dies erreichen, dann haben wir das Rad der Wiedergeburt durchbrochen und das Leben hat seinen Sinn (Erfahrungen zu machen um daran zu wachsen) erreicht und die Evolution hat eine neue, höhere Stufe erreicht.


Der AASR (Hochgrad) schreibt auf seiner Webseite:

  • "Der letzte Grad, der Meistergrad, sollte von seinen Inhalten her, den Bruder Meister befähigen, alle die Aufgaben, die ein Freimaurermeister wahrzunehmen hat, zu erfüllen."

    Anmerkung: Das ist genau die Forderung, die ich auch stelle, die aber leider mit dem jetzigen Grad noch nicht einmal Ansatzweise erfüllt wird.

  • "Jeden Bruder, der die Initiation in den Meistergrad erlebt hat und danach Zeit gehabt hat, darüber zu reflektieren, befällt das Empfinden einer gewissen Unfertigkeit oder Unvollständigkeit seines im Meistergrad erhaltenen Wissens."

    Anmerkung: Das ist m.E. auch eines der großen Probleme des jetzigen Meistergrades. Da er sich faktisch gar nicht mit den Aufgaben eines Meisters beschäftigt, werden manche Brüdern nahezu genötigt sich den "Hochgraden" anzuschließen um da eine mögliche Lösung zu finden. Sie sind viele Jahre auf der Suche und ich denke, so verlieren Sie das eigentliche Ziel aus den Augen. 


Liebe Brüder,

ich möchte meinen Vortrag mit meiner persönlichen Antwort, die ich auf die Frage „Was ist ein Freimaurer“ gern gebe, beenden:

Da wo manche Menschen den Mut haben, einen zweiten Schritt im Leben zu gehen, sollte ein Freimaurer idealer weise mindestens noch den Dritten wagen!

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und ich verlange nicht, dass ihr meine Gedanken annehmt, aber ich verlange, dass ihr euch mit meinen Gedanken brüderlich auseinandersetzt.



Anmerkungen

Als weiterführende Lektüre sei das Buch von Klaus-Jürgen Grün empfohlen
Titel: Menschenähnlichkeit 
ISBN 978-3-8378-4041-4

Heute (27.04.2013) habe ich gesehen, daß der Text "Wir stehen in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung" wieder auf die Webseite(Startseite) der A.F.u.A.M. eingefügt wurde.





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