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Die Freimaurerloge von Morgen - Visionen für die Zukunft aus 1970


(Beitrag vom 19.03.2014 korrigiert am 09.06.2015)

Visionäre Gedanken für die Zukunft der Freimaurerlogen aus 1970  - Entscheidet selbst, was daraus geworden ist!



Die Loge von Morgen

aus EURO-Mason
Heft 1/1970 - Auszug 

Aber — und das ist wieder ein Zukunftsaspekt der Loge von morgen — sie werden das nur dann tun, wenn sie Grund genug haben, anzunehmen, daß bei den Freimaurern vieles anders ist als draußen und daß durch sie vieles besser werden kann, als es ist. Man muss Wegbereiter zu neuen Horizonten und Sinngebungen des menschlichen Lebens werden.



Das können Freimaurer nur dann tun, wenn die Loge ein Ort wird, an dem wesentliche Beiträge für die Verständigung über die Prinzipienfragen des Zusammenlebens der Menschen geleistet werden, und zwar nicht nur formell oder gar nur symbolisch, sondern mit der Tat: durch aktives Mitwirken und das Engagement bei der Befreiung der Menschen von ihren nicht gewollten Abhängigkeiten und durch die Hilfe, die ihnen die Loge dahingehend leistet, daß sie in der Lage sind, die Mächte zu durchschauen, die über sie bestimmen wollen.

Die Wissenschaft beantwortet die Fragen „Was?"und „Wie?" ; der Religion müssen wir die Antwort auf die Frage „Woher?"überlassen. Auf die Frage „Wohin?" aber müssen wir die Antwort geben können!

Und daraus ergibt sich das Bild der Loge von morgen, in der die Wahrheiten nicht auf dem Altar dervor gefassten Meinungen geopfert werden, sondern in der jeder wirklich frei und verbindlich das sprechen wird, was er wirklich meint.

So also zeichnet sich in meiner Vorstellung die Loge von morgen in ihren Konturen ab:

  1. Die Loge von morgen wird alle obrigkeitsähnlichen Systeme und Formen abgeschüttelt haben — d. h. sie wird in sich selbst die Durchsetzung des Demokratisierungsprozesses abgeschlossen und jedes Ordensprinzip fallen gelassen haben.

  2. Sie wird nur dann bereit sein, Mitglied einer Großloge aller Freimaurer von Deutschland zu werden, wenn innerhalb dieser Geeinten Großloge das demokratische Prinzip sich konsequent in allen Gremien durchgesetzt hat.

  3. Die Loge von morgen wird keine Rituale haben, in denen mit wohlklingenden Worten Plattheiten oder gar Heucheleien ausgesprochen werden, sondern solche, die in zeitnaher und zeitgemäßer Sprache die Gedanken der Brüderlichkeit, der Toleranz, der mitmenschlichen Liebe und der menschlichen Freiheit in glaubwürdiger Weise zu Ende gedacht sind und zum Ausdruck gebracht werden.

  4. Auch die Loge von morgen wird eine Sammlung von Ungleichgesinnten sein, ohne jedoch deswegen ihre Aktionsfähig scheidenden Fragen des menschlichen Zusammenlebens eingebüßt zu haben.

  5. Bei ihrer inneren Arbeit wird die Loge von morgen ein Selbstlob weder nötig haben noch ein solches ertragen können — schon deshalb nicht, weil die Brüder endlich verstanden haben werden, daß es für eine Gruppe von Menschen nichts Gefährlicheres gibt als die Behauptung, sie habe bereits ihre eigene Utopie verwirklicht, weil sie dadurch jeden Glauben an ihre Zukunft vernichtet.

  6. Die Loge von morgen wird nicht Kraft und Energie in Kämpfen verbrauchen, deren Ziel es ist, die Vergangenheit aufrecht zu erhalten; sie wird sich für die Evolution der menschlichen Weisheit einsetzen durch Begünstigung der Zukunft und Förderung ihrer Vorkämpfer.

  7. Die Loge von morgen wird von ihren Mitgliedern mit Recht verlangen, sich zu ihr und ihren Idealen nicht nur heimlich zu bekennen. Das wird sie tun können, weil sie in den Augen der Umwelt weder als reaktionäre Zelle noch als Gruppe von Verschwörern gegen Gott und die Menschheit gelten wird.

  8. Das heißt aber nicht, daß die Loge von morgen sich als eine Institution zur Verehrung eines Gottes oder zur Pflege seines Ruhmes betrachten wird — im Gegenteil, mehr denn je wird sie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit den Menschen und sein Leben in seiner Vielfalt zu stellen verstehen, gleichgültig, welchen Glaubensvorstellungen er den Vorzug gibt.

  9. Die Loge von morgen wird sich endgültig von der Zwangsvorstellung befreit haben, immer wieder beweisen zu müssen, daß sie und ihre Mitglieder keine Gottesleugner sind — für sie wird diese Frage irrelevant geworden sein.

  10. Ausgehend von der gesellschaftlichen Entwicklung und ihrer richtigen Einschätzung, wird es in der Loge von morgen nicht mehr möglich sein, die Rede derjenigen zu führen, die auf angestammte Vorrechte oder auf eine Amtsautorität zu pochen versuchen, und zwar deswegen, weil

  11. die Loge von morgen sich viel weniger als die heutige Loge als eine Institution der Gegenwart und mehr als eine Arbeitsstätte für die Zukunft betrachten wird. Daraus ergibt sich, daß

  12. die Loge von morgen sich an alle grundsätzlichen Probleme des menschlichen Zusammenlebens heranwagen wird, um darin das Gemeinsame und für den Menschen Verpflichtende zu suchen und vor aller Augen herauszustellen.

  13. In der Loge von morgen wird es nicht heißen: „Die Freimaurerei wäre schon gut, wenn bloß die Freimaurer nicht wären" (wie man das hin und wieder in scherzhafter Form heute hören kann), und zwar nicht deshalb, weil die Brüder von morgen keinen Humor mehr haben werden, sondern schlicht und einfach deshalb, weil es — wie ich hoffe — viel richtiger sein wird, zu sagen: „Die Freimaurerei und die Freimaurer sind gut und einander wert."

  14. Die Loge von morgen wird vielleicht sogar eine Loge von Frauen sein — entsprechend der fortschreitenden Gleichstellung der Geschlechter.

  15. Die Loge von morgen wird dafür gesorgt haben, aus der Verfassung der GLL AFAM jenen Satz zu entfernen, der da lautet: „Die Freimaurerei nimmt ... Männer von gutem Ruf als ordentliche Mitglieder auf, wenn sie sich verpflichten, die Gesetze des Staates, in dem ihre Loge arbeitet, zu beachten." Entfernt wird aus der Verfassung in der Zukunft auch der Satz, nach dem „der Freimaurer jedes Mannes Vaterland achtet, das seine aber liebt ..."


Ich kann mir jetzt schon vorstellen, daß manchem die Frage auf den Lippen brennt: „Wieso kannst du das alles behaupten?"

Die Antwort darauf ist sehr einfach: „Weil es die Loge von morgen, wenn sie nicht so oder annähernd so wird, einfach nicht mehr geben wird -oder eben nur als Hort zur Pflege der Vergangenheit nach rituellen Bräuchen; weil die Loge nie eine Existenzberechtigung aus sich selbst und für sich allein gehabt hat und sie nie haben wird, losgelöst von dem Leben der Menschen — und weil sie diese Umwandlung durchmachen muß, dem Druck des Selbsterhaltungstriebes gehorchend und gerichtet auf das hohe Ziel, dem sich alle verpflichtet fühlen."

Natürlich kann man noch viele und vielleicht auch wichtigere — Änderungen aufzählen, die die Loge von morgen durchgemacht haben wird, um ihren Aufgaben gerecht zu werden. Das Wichtige dabei bleibt aber immer die Tatsache, daß auch wir alle den Wunsch hegen, auf eine andere, neuere Weise Loge zu sein — zeitnaher, aktueller, ehrlicher, wirkungsvoller und nutzbringender!

Die Loge muß die Phasenverschiebung zwischen ihrer eigenen Entwicklung und der Entwicklung der Welt beseitigen, sie muß endlich welt- und umweltgerecht werden. Ergreifen wir kompetent das Wort über die wahre Zukunft des Menschen, die heute beginnt und sich in den Generationen immer wieder erneuert.
Zum Schluß noch ein Satz, der beim Großlogentag in Kassel 1968 gesagt wurde: „Fortschrittliche Freimaurer stehen mit dem Gesicht nach 1968 und mit dem Rücken nach 1948 gerichtet — sie sehen sich gestört und behindert von solchen, bei denen dies umgekehrt ist."

Dr.I.Woinoff



Anmerkung:
Seit den 70'er Jahren Mitgliederschwund der Freimaurer weltweit über 60% !


Zum passenden Thread (Diskussion) in Facebook hier.



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