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Das Ritual in der Freimaurerei - eine subjektive Betrachtung


(Beitrag vom 15.06.2015 korrigiert am 22.06.2017)


Viele Menschen, die sich für die Freimaurerei interessieren stellen sich oft die Frage „was ist das für ein geheimnisvolles Ritual was ihr da durchführt?“.

Leider wird in den meisten Fällen keine schlüssige Antwort drauf gegeben da die Freimaurer oft ein, wie ich finde, überbetontes Geheimnis aus ihrem Ritual machen. Zuerst sei einmal gesagt, daß die Rituale nicht über alle Logen hinweg denselben Inhalt haben.

Zweitens sei bemerkt, daß in den Ritualen wirklich nichts tatsächlich Geheimnisvolles vorhanden ist oder gar Handlungen ablaufen, die einen problematischen Inhalt haben.


Es gibt verschiedene Obedienzen wie im Wesentlichen den christlichen Freimaurerorden (FO) oder die Großloge zu den Drei Weltkugeln (3WK) und nicht zuletzt die mit Abstand größte Großloge in Deutschland der AFuAM. Die beiden letztgenannten behaupten von sich, sie befinden sich in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung - was ja nun auch eine Botschaft beinhaltet.

Hauptsächlich im FO wird während der Rituale auch gebetet was in Teilen auch auf die 3WK zutrifft. Bei AFuAM sind Gebete sehr verborgen und fallen kaum auf so das manche sogar steif und fest behaupten, es wird gar nicht gebetet.

Als Erstes möchte ich einmal mit dem Geheimnis und der Notwendigkeit ein Geheimnis aus dem Ritual zu machen, aufräumen. Aus meiner Sicht beinhaltest KEINES der mir bekannten Rituale ein wirkliches Geheimnis. Auch der Mythos, man beraubt dem Probanden das Erlebnis wenn man ihn vorher von Inhalt und Sinn des Rituals einweiht, entbehrt meines Erachtens jeder Grundlage. Ich habe nie gezählt, wie oft ich zum wiederholten Mal ein Ritual besucht habe. Mehrere hundert Mal dürften es aber schon gewesen sein. Und niemals fühlte ich mich um ein Erlebnis gebracht (das Meisterritual mal ausgenommen) obwohl ich diese Rituale in und auswendig kenne – Ja sogar manchmal auch kritisch betrachte.

Folgende Äußerungen beziehen sich ausdrücklich nur auf die AFuAM-Rituale und ich möchte mich hier auch bewusst kurz fassen!

Das ich das Meisterritual hier ausdrücklich ausnehme, hat nichts mit der Performance des Rituals, die sicherlich gegeben ist, zu tun. Sondern eher mit meiner Einstellung zu den für mich vorhandenen religiösen Inhalten und den dafür fehlenden notwendigen Botschaften, die dort leider nach meiner Meinung nicht vermittelt werden.

Wir bei AFuAM bauen symbolisch den "Tempel der Humanität" als Metapher für eine humane Gesellschaft. Diese humane Gesellschaft sollte das Ziel eines AFuAM-Freimaurers sein und die Bausteine dieses „Tempels“ sind die Menschen die durch den „Unbehauenen Stein“ und weiter (im Gesellengrad) durch den „Behauenen Stein“ symbolisiert werden. Sehr schön wird das in unserem Ritual durch folgenden Satz geprägt:

„Wir arbeiten am Tempel der Humanität und die Steine derer wir bedürfen sind die Menschen“.

Damit ist eigentlich ALLES gesagt.

Jetzt stellen Sie sich einmal vor, die 3 Grade die es in der Freimaurerei gibt, sind abgeleitet von den alten Bauhütten und angeglichen an unser heute noch übliches Bauhandwerk.

Da gibt es den Lehrling (der erste Grad), den Gesellen (der zweite Grad) und den Meister (der dritte Grad). Die Rituale als symbolische Bauhandlungen versinnbildlichen die Erkenntnisstufen eines Menschen in seiner Ausbildung zu einem Werk- oder Freimaurermeister.

Im ersten Grad geht es hauptsächlich um die Innenansicht eines Menschen. Hier ist er aufgefordert, seine innere Kraft zu erkennen, ggF. zu erwecken und sie auch nach außen einzusetzen was dann im 2. Grad dem Gesellengrad weiter abgerundet oder perfektioniert wird.  Alles wird durch eine fiktive Reise und Botschaften, auch mahnende Worte während des Rituals unterstützt. Der Lehrling wird durch den „Unbehauenen Stein“ symbolisiert, den er in seiner Lehrlingszeit zu einem „Behauenen Stein“ zu formen hat.  Ich finde, dies ist ein ausgesprochen schönes Ritual und wird sicherlich auch nicht ohne Grund immer wiederholt während die beiden anderen Rituale in der Regel nur bei Beförderungen (Geselle) oder Erhebungen (Meister) stattfinden.

Im Gesellengrad wird der Geselle angehalten (vergleichbar mit den heute noch üblichen Reisen z.B.  der Zimmerleute auf der Walz), sich selbst in anderen Logen die er während seiner Gesellenzeit zu besuchen hat, zu ergründen - sich womöglich auch in seiner Reflexion auf seine Umwelt zu prüfen. Das Lernen an fremden Orten (Logen) versinnbildlicht sicherlich auch, sich gegen Betriebsblindheit zu schützen. Auch hier, während des Rituals wird ihm vorgeführt, dass er allein kaum etwas bewenden kann sondern seine Stärke aus der Gruppe schöpft – hierfür steht das Symbol der Stäbe.

Nachdem der Geselle seine Arbeit gemacht hat, was wie nach dem Lehrlingsgrad durch das Auflegen eines Baurisses (Vortrags) vor den Brüdern seiner Loge geprüft wird, kann er zur Erhebung als Meister vorgeschlagen werden.

Hier nun setzt meine Deutung an, da das jetzige Ritual meines Erachtens den Anspruch nicht erfüllt – zumindest wie ich es verstehe.

Der Geselle hat seinen Stein (sich selbst) weitestgehend passend geformt so dass er für den symbolischen Bau zu gebrauchen ist - Er irgendwo auch seinen Platz finden kann.

Die Frage ist nur wo und wie soll dieser symbolische Bau aussehen?

Hierzu bekommt der Meister im heutigen Meisterritual leider nur in einem Nebensatz erwähnt, seine Werkzeuge das Reißbrett, das Winkelmaß und den Zirkel benannt. Alles Werkzeuge eines Architekten womit für mich seine Aufgaben klar definiert sind.

Er hat sich um den symbolischen Bau zu kümmern - um den Aufbau einer humanen Gesellschaft. Die Werkzeuge bekommt er um ihm zu symbolisieren, dass er sich mit dieser Gesellschaft beschäftigen muss, sie auch versuchen soll, zu konstruieren – Auch nie vergisst, das Winkelmaß immer wieder anzulegen.

Wunderbar ist mir diese Aufgabe durch die Sitzordnung symbolisiert. Während der Lehrling und der Geselle ihre festen Plätze innerhalb der Sitzordnung haben, darf der Meister frei wählen. Im Gegensatz zu den beiden die ihre fest definierte Aufgabe (Blickrichtung) haben, ist der Meister angehalten, dies (den symbolischen Bau) aus allen Perspektiven zu begutachten.


Alle Rituale enden mit der Aufforderung des Meisters vom Stuhl:

Geht nun zurück in die Welt, meine Brüder,
und bewährt Euch als Freimaurer!
 
Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt,
kehrt niemals der Not und dem Elend den
Rücken, seid wachsam auf Euch selbst




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