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Die Beliebigkeit in der Freimaurerei (Die Worte eines ehemals Suchenden)


(Beitrag vom 03.04.2014)


Die Freimaurerei lebt von der Symbolik. Diese Symbolik ist Teil der Rituale im Tempel und Teil des freimaurerischen Lebens ausserhalb der Tempelarbeit. Dabei fällt auf, daß die Bedeutung der Symbole nur sehr oberflächlich ist. -Schau in dich, schau um dich,  schau über dich, finde dich selbst in Dir -und schon dreht sich der Bruder im eigenen Kreis.

Die Symbolik? Du kannst auf alles schwören, es ist ja nur ein Symbol. Finde dich selbst!

Die Bibel? Nur ein Symbol, aber ein unverzichtbares.
Zirkel und Winkelmaß? Was ein gerechtes Leben für dich und die anderen ist, musst du selbst herausfinden, bemühe dich ein Leben lang!

Finde den Weg zum Licht, heißt es auf dem Weg in die schwarze, dunkle Kammer, wo der Profane und Suchende nur eine Kerze findet, einen Totenschädel, Stäbe und sonstige Gegenstände. Dort macht er sich Gedanken wieder neu, die er in seinem Leben schon oft hatte, diesmal unter Überwindung der Angst, er weiß ja nicht, ob nicht einer hinter dem Vorhang lauert.

Er schwört und verspricht, er wird bedroht durch die Androhung von Hals ab, Herz raus und Vierteilung, was selbstverständlich seine Wirkung zeigt -eine durchaus beabsichtigte Wirkung beinahe religiöser Provenienz. Es scheint, als hinge die Freimaurerei fest zwischen der in der Aufklärung notwendigen Ablösung vom christlichen Glauben des Mittelalters und des Noch-nicht-Angekommenseins in der Neuzeit.

Gedanken einzelner Brüder oder gar Außenstehender werden zur Kenntnis genommen, aber schnell verworfen.

Es darf nicht sein, denn es geht an die Grundlagen der Freimaurerei:

  1. wir sind nur Freimaurer, wenn wir alles genauso machen wie es von der Großen Loge von England vorgegeben ist.

  2. die da oben werden nichts ändern, nicht den Schwur auf die Bibel und auch nicht die Rituale.

  3. besser wir reden gar nicht darüber, denn wir sollen ja nicht über Politik und Religion reden, um nicht die brüderliche Eintracht und Harmonie zu stören.

Also tat sich nichts in der Freimaurerei, es tut sich nichts und es wird sich nichts tun, denn jeder vernünftige Schritt entzieht ihr die bisherige Basis. Dass der Gedanke, aktiv am Tempel der Humanität arbeiten zu wollen, wichtiger sein könnte als die alte bekannte Basis, auf den kommt niemand oder besser, er traut sich nicht, ihn zu äußern, weil er seine Brüder kennt!

Viele sind gedankenlos, viele sind feige, jeder fühlt sich zu schwach. Arbeiten am Tempel der Humanität, wie kann dies anders geschehen als in der Zukunft, für die Zukunft? Ideen zu entwickeln, Vorschläge einzubringen und Änderungen vorzuschlagen, das muss doch in einem lebendigen Organismus möglich sein?

In dem Wunsch, an den "Großkopferten" vorbeizukommen, ist schon manche vernünftige Loge entstanden, minderwertig (nicht anerkannt) oder nicht, das sind wahrscheinlich die besseren Freimaurer!

Symbole, Versprechungen, geistige Haltungen sind beliebig austauschbare, wertlose Worthülsen, nicht wirklich ernstgemeinte Sätze der Brüder. Diese kann man einteilen in die Mehrheit der dahockenden, schweigenden und zuhörenden Männer, die nach des Tages Mühe zuerst einmal abschalten möchten.

Ein anderer Teil fühlt sich zum Reden geboren und findet dort seine nickenden Zustimmer.

Die Dritten sind die Kralswächter, die allzu forsche oder fortschrittliche Ideen niedermachen oder totschweigen, je nach ihrer Position. Alle zusammen halten zusammen, das ist sozusagen immanent. Sie ergehen sich in Ergebenheitsadressen, Beistandsversicherungen und Zuspruch, sie schützen sich vor Neuem, Allzuneuem, in dem sie den Agitator niedermachen, diskreditieren und versuchen, ihn mundtot zu machen -auch hier sind absolut religiöse Praktiken zu beobachten, wie sie auch in den Kirchen üblich sind.

Daher ist die Feststellung richtig, dass die Freimaurerei " hängt", sie hängt in den guten Veränderungen, die die Aufklärung gebracht hat und den Schutzmaßnahmen, die man als Geheimbund damals noch durchführen musste.

Man musste sich im Geheimen treffen, man musste sich in Ritualen der gegenseitigen Zustimmung versichern, man erkannte den Wert von Symbolen für den gegenseitigen Zusammenhalt, die Treffen mussten regelmäßig und oft stattfinden, die Erziehung wirkte von alt Richtung jung, die finanzielle Basis musste stimmen, der Zusammenhalt ging bis hinein ins politische, musste aber auch hier geheimgehalten werden, um staatlichen Verboten zu entgehen.

Sie, die Freimaurerei, hängt in all diesen damals notwendigen Grundsätzen, ohne die Fähigkeit zu haben, sich den alten Gedanken der verknöcherten Großköpfen in England zu entwinden, sich wenigstens teilweise zu lösen, etwas alte Asche herauszublasen und das freimaurerische Feuer neu zu entfachen. Denn die Grundidee ist großartig!

Ich wäre gerne Bruder, würde mich jedoch niemals in eine Macht begeben, von der ich nicht weiss, ob sie mich nicht tatsächlich vierteilt, oder von der ich nicht weiß, welchen Wert sie ihrer Symbolik zuteilt. Wo fängt der Ernst an, wo hört die Heuchelei auf?

Die Rituale sind bestimmt schön, die absolute Beliebigkeit der Symbolik und die gleichzeitige Unabänderlichkeit sind das weniger schöne Gesicht der Freimaurerei.

Dr. Bert Fritz
Duisburg




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